Der Perth-ekte Startpunkt für Australien

Der nächste Stopp auf der Reise lag an der Westküste Australiens – Perth. Eine Stadt, an die ich in meinem Leben noch nie allzu viele Gedanken verschwendet habe. Und daher hatte ich auch keine Ahnung, was mich erwarten würde.

Aber erstmal mussten wir durch die Grenzkontrolle in Australien – und jeder, der schon einmal Border Control Australia gesehen hat, weiß, dass die MitarbeiterInnen dort keinen Spaß verstehen, wenn es um die Sicherheit des Landes geht.

Auf dem Flug füllten wir brav unsere Incoming Passenger Card aus und gaben dort auch unsere Wanderschuhe und die Strandschuhe an, die wir bei den Elefanten in Sri Lanka getragen hatten. In weiser Voraussicht hatten wir die Schuhe jedoch im Vorfeld nochmals gründlich – sogar mit einer Zahnbürste! – gesäubert. Wir – und die Schuhe – wurden gesondert kontrolliert – und ich bekam sogar ein „Well done!“ von den beiden Mitarbeiterinnen dort. Tja. Gelernt ist gelernt.

Am Flughafen kauften wir noch australische SIM-Karten, damit wir auch unterwegs Internet haben konnten und dann gingen wir auf die Suche nach dem Zug. Wir mussten aus dem Flughafen raus, ein paar Meter laufen, in ein anderes Gebäude und nach ein paar Minuten standen wir dann vor den Verkaufsautomaten für die Tickets. Und waren dezent überfordert. Aber ein sehr netter Mitarbeiter von Transperth führte uns durch den Ticketprozess und beriet uns wirklich sehr kompetent.

Und hier fiel uns auch zum ersten Mal etwas auf, was uns die gesamte Australien-Reise auffallen würde: die Menschen hier sind einfach nett. Also wirklich auffallend nett. Sehr, sehr sympathisch!

Wenig später saßen wir im Zug (U-Bahn? S-Bahn? So ganz weiß ich immernoch nicht, was das genau war) und fuhren bis zu unserer Haltestelle, die praktischerweise nur ein paar Meter vom Hotel entfernt lag. CheckIn und der Bezug des Zimmers ging problemlos und schnell und, nachdem wir uns ein wenig eingerichtet hatten, beschlossen wir, erstmal Abendessen zu gehen. Unsere Wahl fiel auf Ribs & Burgers, wo ich einen hervorragenden Veggieburger und ein Bier zu mir nahm. Nomnomnom. Wir beschlossen noch ein wenig am (wunderschön beleuchteten) Pier spazieren zu gehen, wo sich meine Begleitung noch ein Eis genehmigte. Und dann… lagen wir eigentlich auch schon wieder im Bett. Erstmal schlafen nach dem aufregenden Reisetag!

Der nächste Tag begann sehr gemütlich. Zum Mittagessen gingen wir um die Ecke zu einem kleinen vietnamesischen Lokal, wo wir nicht nur den nettesten Service aller Zeiten hatten, sondern auch noch sehr leckeres Essen (vegetarisches Banh Mi Sandwich und Eistee) zu uns nahmen. Klare Empfehlung!

Und dann waren wir direkt abenteuerlustig und nahmen den (gratis) Blue CAT-Bus zum Botanischen Garten. (Gratis und sehr leicht erreichbarer ÖV in einer Großstadt ist schon etwas sehr, sehr tolles!) Was eigentlich nur ein kleiner Spaziergang werden sollte, wurde zu einer sehr tollen Beschäftigung für die nächsten Stunden. Das Wetter (strahlend blauer Himmel) lud aber auch wirklich zum Verweilen und Schlendern ein. Zudem ist es auch noch ein sehr schön angelegtes Areal mit tollem Blick auf die Bucht und die Stadt. Und so war es dann auch schon recht spät, als wir zurück zum Hotel kamen. Und es meldete sich (mal wieder) der Hunger. Wir machten uns also auf den Weg zu einem Italiener, dessen Speisekarte sehr gut geklungen hatte – und dann stolperten wir (im wahrsten Sinne des Wortes) über einen Street Food Market (Twilight Food Market) in der Fußgängerzone. Und dort futterten wir uns einmal quer durch, denn alles sah so gut aus, dass man es haben wollte. Ich aß einen hervorragenden Bao Bun mit Tofu, dann noch eine viel zu große Portion Gnocchi mit Tomatensauce und zum Abschluss noch ein Softeis. Das Sodbrennen in der Nacht war garantiert, aber das war es wert.

Für den nächsten Tag hatten wir bei Captain Cook Cruises eine 90minütige Schiffsfahrt nach Fremantle gebucht. Pünktlich standen wir am Fährterminal – so wie sehr viele andere, die an diesem sonnigen Sonntag nichts anderes zu tun hatten. Glücklicherweise ergatterten wir noch einen schönen Platz und konnten die Fahrt sehr genießen. (Und im Geiste überlegen, welches der Traumhäuser am Wasser wir denn kaufen würden, wenn wir könnten, wie wir wollten…) 

In Fremantle angekommen gingen wir zu Chalkys, um erstmal ausgiebig zu frühstücken. Gemütlich bummelten wir anschließend noch durch das Städtchen, aßen noch ein Eis und fuhren dann mit dem ÖV zurück nach Perth. Den restlichen Tag ließen wir sehr gemütlich ausklingen.

Gibt es eigentlich eine schönere Art und Weise weiterzuschreiben, als ständig nur „am nächsten Tag“ zu schreiben? Mir fällt gerade keine ein, also entschuldigt diese ständige Wiederholung.

Also.

Wie gesagt.

Am nächsten Tag ging es mit der U-Bahn zum Cottlesloe Beach, angeblich einer der schönsten Strände im Umkreis von Perth. Dort angekommen wurde uns bewusst, dass dort gerade ein Skulpturenfestival (das Sculpture By The Sea) stattfand – und dass wir deswegen nicht die einzigen Personen dort sein würden. Wir bummelten also gemütlich an der Strandpromenade entlang und bestaunten die ausgestellte Kunst. Und nicht nur einmal kam uns der Spruch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ in den Sinn. Aber schön anzusehen war das meiste trotzdem. 

Wir suchten uns schließlich noch ein halbsonniges/halbschattiges Plätzchen und ließen uns von der Sonne bescheinen. Genau so hatte ich mir diese Auszeit vorgestellt! Herrlich! (Und trotz Sonnencreme sollte ich mir hier nicht den letzten Sonnenbrand der Reise holen…)

Beim Rückweg stolperten wir noch über ein kleines hübsches Restaurant namens Vans, wo wir uns einen kleinen Snack gönnten. (Ziemlich geile Potato Skin Nachos und Avocado auf Sauerteigbrot.) 

Mit der U-Bahn ging es dann zurück in die Stadt. Zum Abendessen hatten wir einen Tisch bei der Bright Tank Brewing Co. (Brown Street Grill) reserviert. Und zwar aus dem einzigen Grund, weil ich Bock auf Fisch hatte und es auf der Speisekarte, die im Internet zu finden war, richtig geilen auf dem Holzkohlegrill zubereiteten Fisch gab. Dort angekommen hatten sie jedoch eine geänderte Karte und es war leider kein Fisch mehr zu sehen…

Bisschen trotzig bestelle ich viel zu viel anderes Essen, was wir jedoch tapfer aufaßen. (Und es schmeckte auch ziemlich gut.)  

Der nächste Tag brachte dann das Highlight, weswegen ich überhaupt diesen Stopp an der Westküste Australiens eingeplant hatte: Der Ausflug nach Rottnest Island. Landläufig auch als Quokka Island bekannt geworden. Denn diese kleine Insel ist die Heimat der süßen Minikängurus, die vorwiegend deswegen bekannt geworden sind, dass sie immer zu lächeln scheinen. Und auch extrem zutraulich sind – vor allem deswegen, weil sie auf der Insel keine natürlichen Feinde haben. Eigentlich sind die kleinen Beuteltiere nachtaktiv, haben sich aber den Gegebenheiten (und den Touristen) angepasst und sind auch tagsüber anzutreffen.

(Und trotzdem bereue ich es bis heute, dass ich keine Übernachtung auf Rottnest Island gebucht habe. Ich kann es euch jetzt schon sagen – ein Tagesausflug ist NICHT genug.)

Um 9 Uhr ging die Fähre von Fremantle aus. Bevor wir an Bord gehen konnte, gingen wir noch kurz am Infoschalter vorbei, wo wir unsere Tickets bekamen und ein Armband, denn wir hatten zusätzlich noch ein Fahrrad bei der Fährgesellschaft mitgebucht. Die relativ kurze Hinfahrt (ich bin mir nicht mehr ganz sicher – aber es dauerte unter einer Stunde) war nur etwas ruckelig, aber sonst ereignislos. Nach Ankunft bekamen wir je ein Fahrrad, einen Helm und ein Fahrradschloß ausgehändigt. Und schon konnte es losgehen.

Und holla die Waldfee, es war windig. Damit hatte ich absolut gar nicht gerechnet. Und es war auch hügeliger als gedacht. Und ich bin nicht unbedingt die fitteste Person, wenn es ums Radfahren geht… man kann sich denken, wie ich ein wenig geflucht und geschwitzt habe.

Aber die erste Begegnung mit den Quokkas ereilte uns dann am Parker Point – eigentlich ein schöner Aussichtspunkt und ein schönes Fleckchen Strand mit glasklaren Wasser, an dem man auch schön schnorcheln gehen kann. (Wenn man Badekleidung dabei gehabt hätte… hatten wir nicht.)

Drei Quokkas beäugten uns interessiert – oder mehr den Inhalt unserer Rucksäcke. Allerdings wird dringend davon abgeraten, die kleinen Beuteltiere zu füttern. Aber als ich so auf dem Boden saß und völlig fasziniert war und eigentlich nur einen Schluck Wasser aus meiner Wasserflasche nehmen wollte, kam eines der Quokkas auf mich zu, krabbelte auf mir herum und versuchte an das Wasser zu kommen. Ich kippte einen kleinen Schluck auf den Boden aus und es stürzte sich beinahe schon darauf.

Mein Herz ey.

Die Delfine, die danach nur wenige Meter vom Strand entfernt an uns vorbeischwammen, brachten uns das nächste ungläubige Staunen ein. An was für einen zauberhaften Ort waren wir hier nur gekommen?!

Der nächste Stopp war an der Salmon Bay – und dort bekamen wir auch nasse Füße beim Versuch, schöne Fotos zu machen. Die Wellen kamen nämlich höher an den Strand als erwartet… einmal mit Profis.

Als wir schließlich am Wadjemub Lighthouse ankamen, war ich nicht nur ein wenig hangry. Ein Umstand, den meine Begleitung von mir glücklicherweise schon kannte. Also wurde mir praktisch eine Rettungsleine im Form von Keksen zugeworfen, das mich über Wasser halten sollte, bis wir zum nächsten Punkt mit Verpflegung kamen. Nach einer halben Packung Butterkekse ging es mir dann auch schon besser 🙂

Beim Ricey Beach hielten wir nochmal an – ein wunderschöner, ewig langer, fast menschenleerer Strand, wo ich es mir nicht nehmen ließ, die Füße ins Wasser zu halten. Es war zwar frisch, aber nicht übermäßig kalt – und noch einmal verfluchte ich mich dafür, dass ich keinen Bikini eingepackt hatte. Aber gut.

Nach dieser kleinen Abkühlung gab es dann schließlich in einem Restaurant Fish & Chips, Chai Latte, Flat White und einen Quokka, der sich reingeschlichen hatte. (Eigentlich hatte das Restaurant einen Zaun um das Gelände, um Quokkas draußen zu halten. Dieser kleine freche Kerl hatte sich allerdings offenbar nicht daran gehalten und lebte jetzt seinen Traum.)

Und dann mussten wir uns schon wieder langsam auf den Weg zur Fähre machen, denn wir mussten rechtzeitig vorher dort sein, um die Fahrräder wieder zurück zu bringen. Und dann passierte etwas, was mein eindeutiges Highlight des Tages werden sollte.

Neben der Straße am RICG Clubhouse entdeckte meine Begleitung zwei Quokkas. Wir hielten an, stiegen ab und schossen ein paar Fotos. Und dann kam eines der beiden Quokkas auf mich zu, kletterte auf meinen Schoß und gab mir sogar einen Nasenstüber. Ich konnte nicht anders und gab ihm ein wenig Wasser, was er aus meiner Hand trank.

Ich war eindeutig verliebt in dieses kleine Tierchen und hätte noch viel, viel länger dort sitzen können, aber leider drängte die Zeit. Und wenn es erlaubt gewesen wäre, hätte ich es direkt mitgenommen.

Das war ein so schönes Erlebnis, an das ich noch ewig denken werde. (Und eventuell habe ich mir selbst den Titel Quokkaqueen verpasst. Sollte meine Visitenkarte ändern lassen.)

Die Abgabe der Fahrräder verlief problemlos, was man von der Rückfahrt mit der Fähre nicht so sagen konnte. Denn es gab ziemlich starken Wellengang und es wirklich ruckelig. So ruckelig, dass mindestens eine Passagierin sich das Essen nochmal durch den Kopf gehen lassen musste. Das blieb mir glücklicherweise erspart, obwohl ich nicht den festesten aller Mägen habe… Die Crew verteilte noch Eis am Stiel – ich vermute nicht nur aus Nettigkeit, sondern auch zur Ablenkung. Es war auf jeden Fall lecker.

In Fremantle angekommen stiegen wir auf eine andere Fähre um, die uns nach Perth City brachte. Auf diesem Stück erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang – der perfekte Abschluss für diesen magischen Tag. (Na gut, nicht ganz der Abschluss – den hatten wir erneut im Ribs & Burgers, wo wir uns zum Abendessen einfanden.)

Und was weniger magisch war, war der Sonnenbrand, den wir uns eingefangen hatten – und das, obwohl wir uns wirklich ständig eingecremt hatten. Nun ja, ein kleiner Preis für die tollen Quokkabegegnungen.

Der nächste Tag begann mit einem Frühstück bei Gabes Deli, direkt um die Ecke des Hotels. 

Danach wurde wieder einmal gepackt und es ging mit der U-Bahn zum Flughafen. Nun ja, nicht ganz bis zum Flughafen – zwischendrin mussten wir auf den Shuttlebus umsteigen, da unser Terminal nicht mit der U-Bahn zu erreichen war. Aber dank guter Beschilderung schafften wir auch das.

Als wir dann bei den Qantas-Automaten selbst einchecken wollten, ging das nicht. Online einchecken ging zwar, aber dann ging der Druck der Bordkarten nicht. Nach kurzer Verwirrung und einer Nachfrage bei einer sehr netten Mitarbeiterin klärte sie uns auf, dass wir zum Infoschalter mussten. Denn der Flug, den wir nach Melbourne nehmen würden, galt als international, da er aus London losgeflogen war und in Perth nur zwischenlandete.

Deswegen mussten unsere Dokumente nochmal separat geprüft und Vermerke auf unseren Bordkarten gemacht werden. Gesagt, getan – auch das verlief gut.

Da der Flug als internationaler Flug galt, mussten wir auch durch zwei Sicherheitskontrollen – die erste recht entspannt, wo man auch die Elektronik im Rucksack lassen durfte, die zweite dann strenger mit genauerem Check und Scanner – aber schließlich war auch das geschafft. Und irgendwann saßen wir am Gate, unsere Zeit an der Westküste Australiens war damit auch vorbei.

Und es hatte uns weit aus besser gefallen, als wir gedacht hätten – vor allem Perth hatte uns restlos begeistert. Eindeutig eine Stadt, in der man sich sehr gut vorstellen könnte zu leben … wenn sie nicht so verdammt weit weg von zuhause wäre.

Was wir auf unserem Roadtrip an der Ostküste Australiens erlebt haben, gibt es dann im nächsten Beitrag. (Hoffentlich ein wenig schneller als der letzte. Mea Culpa.)

Die Bilder von Rottnest Island trage ich im nächsten Beitrag nach. WordPress will gerade nicht so, wie ich möchte…

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