14.10.2017 (Samstag) – offizieller Tag 1

Ich habe auf dem Kilimandscharotrek eifrig Tagebuch geschrieben, um jedes Erlebnis (und sei es noch so banal) aufzuschreiben, solange es noch frisch im Gedächtnis haftet. Dies hat eigentlich auch gut funktioniert – bis kurz vor dem Gipfeltag. Da war mein Kopf so vollgestopft mit anderen Dingen (Spoiler: vor allem Essen), dass ich dies verdrängt habe.

Tatsächlich habe ich aber auch schon vor dem eigentlichen Trek Tagebuch geschrieben. Und da stehen solche lustigen Anekdoten wie:

29.09.2017 – Freitag:

Ich erhielt heute eine lächerlich große Daunenjacke (Größe L!). Konnte sie aber große Probleme umtauschen – und musste nicht einmal extra Porto zahlen.

Was bin ich froh, dass ich dieses einzigartige Erlebnis festgehalten habe. Wäre ja schade, wenn die Nachwelt nichts davon lesen könnte.

So, jetzt aber zurück zum 14.10.2017, dem ersten offiziellen Tag des Treks. Wir ließen ihn gemütlich anklingen und schliefen erst einmal aus. Für uns Schichtdienstler eine Wohltat, die man viel zu selten tun darf. Und deswegen der perfekte Start in den Tag. Nach einer Dusche (die diesen Namen eigentlich gar nicht wirklich verdiente – der Strahl aus der Duschbrause spottete jeder Beschreibung) trafen wir uns mit Tara zum Frühstück, das es in Büfettform gab.

Und es fehlte eigentlich an gar nichts. Es gab Tee, Kaffee und Saft (Orange und ein Saft namens Paw-Paw-Juice, von dem ich bis jetzt annahm, dass es sich um Papajasaft handelte – Wikipedia belehrt mich gerade aber eines Besseren), Toastbrot, Marmelade, Honig und auch warme Speisen wie Eierspeisen (frisch zubereitet), Kartoffelspalten und gebackene Bohnen. Auf Wunsch erhielt man auch Würstchen. Man merkt, dass das Publikum hier vorwiegend englisch war…

Nach einem ausgiebigen Frühstück nutzten wir den Tag, um das Hotelgrundstück zu erkunden. Ich war vor allem neugierig auf den Pool, der auf der Website ziemlich groß angepriesen wird. Das Ergebnis war eher ernüchternd. Anstatt dem azurblauen Wasser fanden wir eher einen grünlichen Tümpel vor, der die besten Zeiten schon hinter sich hatte. Es fiel uns dementsprechend leicht dem Badespaß zu entsagen (was uns auf dem Vorbereitungswochenende sowieso ans Herz gelegt wurde, allerdings wegen der Befürchtung, dass man versehentlich Wasser schlucken und daher krank werden könnte). Wir versuchten zudem einen Blick auf den Kilimandscharo zu erhaschen – aber es war so bewölkt, dass wir nur einen winzigen Teil des Berges sehen konnten. Immerhin, er war da!

Wir checkten bei der Rezeption noch die Preise für Massagen – unser Plan war es, uns nach erfolgreicher Besteigung der Kaiser-Wilhelm-Spitze 😉 damit zu feiern, indem wir uns massieren ließen. Die Preise ließen uns jedoch kurz stutzen – eine Ganzkörpermassage für eine Stunde kostete satte 45 USD. Ein stolzer Preis in einem Land, in dem der Jahresverdienst zwischen 300 – 400 USD lag.

Im gleichen Zug wechselten wir noch ein paar unserer mitgebrachten Dollar in Tansania-Schilling. Wie wir schnell merkten änderte sich der Wechselkurs je nachdem, welcher Mitarbeiter vor uns stand. Manche wechselten 1 USD in 2000 TZS, manche in 2400 TZS und manche in 2500 TZS. Und es war wirklich schwierig, da nicht das Gefühl zu bekommen, dass man abgezockt wurde. Aber man gewöhnte sich daran.

Tara hatte zwischenzeitlich noch das Problem, dass ihre Klimaanlage defekt war, weswegen in ihrem Zimmer schwüles Saunaklima herrschte. Ihre eigenen Bemühungen, das Ganze zu reparieren schlugen fehl, weswegen die Rezeption sich der Sache annahm. Es waren mehrere Menschen beteiligt und es gingen einige Stunden ins Land, aber am Schluss funktionierte es doch wieder. Trotzdem zog sie schließlich mit ihrer Matratze zu uns ins Zimmer (eine tote Kakerlake mit einem Ameisenfestessen bei ihr im Bad war der andere Auslöser), woraufhin bei uns ein wenig Schullagerstimmung aufkam. Wir quatschten und dösten und verbrachten einen insgesamt sehr entspannten Tag. Auch wenn wir gefühlte zwei Stunden damit verbrachten, unsere Taschen für den morgigen Tag zu packen, umzupacken und nochmals alles durchzuchecken.

Denn morgen – morgen! – war es endlich soweit. Das große Kilimandscharoabenteuer sollte beginnen!

Der Plan war, dass der Rest der Truppe – insgesamt sollten wir 10 Leute plus 1 Guide sein – am Abend eintreffen, woraufhin wir uns bei einem gemeinsamen Abendessen und Briefing kennenlernen sollten. Am nächsten Morgen sollte es nach dem Frühstück losgehen.

Soweit die Theorie.

Die Praxis sah leider ganz anders aus.

Jenny (die wir ebenfalls auf dem Vorbereitungswochenende kennengelernt hatten und die mit den anderen aus London kam) informierte uns, dass ihr Flug nach Amsterdam Verspätung hatte – und zwar so massiv, dass sie ihren Anschlussflug nicht erwischt hatten. Nach einigem Hin und Her durften sie am Abend mit einer anderen Maschine fliegen, allerdings über Istanbul und Sansibar. Eintreffen würden sie somit erst am nächsten Morgen. Viel Schlaf vor dem Start des Treks (und der ersten Wanderung) war da nicht zu erwarten.

Unser Mitleid war grenzenlos und wir litten via WhatsApp mit. Und wir mochten uns gar nicht vorstellen, was so eine Verspätung mit der Laune unserer Mitstreiter anstellen würde…

Ich versuchte unterdessen noch, mir eine tansanische Simkarte zu ergattern, damit ich auf dem Berg Internetempfang haben würde. (Jaja, macht nur eure Scherze, aber ab und an ein Lebenszeichen schicken zu können sollte nicht unterbewertet zu werden!) Der nette Herr im Hotel konnte mir für 15 USD auch eine Sim-Karte verkaufen – nur funktionierte sie leider nicht. Er versprach sie bis zum morgigen Tag zum laufen zu bringen. Hakuna Matata!

Nach dem Abendessen (das Curry war eines der leckersten, die ich bis jetzt gegessen habe, allerdings spielte die Zwiebelsuppe eher in der unteren Liga) spielten wir bei einem Kilimanjaro Lager Beer noch ein paar Partien Uno (das ich extra am Flughafen gekauft hatte)  und dann lernten wir doch noch zwei Mitglieder unseres Treks kennen: Helen und Max (der auch gleichzeitig unser Guide war). Die beiden waren aus Schottland angereist und waren daher von der Verspätung nicht betroffen.

Wir verbrachten einen lustigen und interessanten Abend und beschnupperten uns schon einmal. Das Ganze bei einem Teller Pommes. (Pommes spielten bei unserem Abenteuer in Afrika eine bedeutende Rolle. Soviel kann ich jetzt schon mal verraten.) Allerdings dauerte unser Beisammensein nicht allzu lange – wir waren einfach alle müde (die anderen beiden berechtigt, wir eher, weil wir den ganzen Tag nicht in die Puschen gekommen waren).

Und somit lagen wir wenig später alle in unseren Betten (bzw. Tara lag auf ihrer Matratze bei uns im Zimmer auf dem Boden) und ich glaube, ich war nicht die Einzige, die vor Nervosität Probleme beim Einschlummern hatte…

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