Via Big Sur nach Cambria

Auf den nächsten Abschnitt unserer Reise war ich sehr gespannt gewesen. Es ging über den Highway No 1 (einer der Highways, der die schönsten Küstenabschnitte des Landes passiert und deswegen als National Scenic Byway ausgewiesen ist) mitten durch Big Sur, den Küstenabschnitt zwischen San Simeon und Carmel. Insgesamt umfasst er ungefähr 100 km Küstenlinie.

Und es war wirklich wunderschön!

Die Fahrt war nett und kurzweilig, aber außer der atemberaubenden Landschaft gab es nicht so viel zu sehen. Daher wird dieser Blogeintrag auch nicht übermäßig lange und ich lasse lieber Bilder statt Worte sprechen.

Erwähnenswert wäre noch die Bixby Bridge, die während der Großen Depression im Jahre 1937 gebaut wurde und über den Bixby Creek führt. Sie ist 218 m lang, 7.3 m breit und 85 m hoch – und ist (wenn ich mich recht erinnere) die höchste einbogige Brücke der Welt. Natürlich durften dort die obligatorischen Erinnerungsfotos nicht fehlen.

Als wir an San Simeon vorbeifuhren dachte ich noch „Och, da liegen aber viele Felsbrocken am Strand!“ und verbalisierte dies auch genau so. Der Mann warf einen Blick nach rechts und kommentierte dies nur mit einem „Das sind keine Felsen, das sind Robben!“ Und schon hatten wir den Blinker gesetzt und fuhren bei der nächsten Gelegenheit raus.

Und so trafen wir auf Zufall auf die „Piedras Blancas Rookery“, der größten See-Elefantenkolonie in Kalifornien und die größte Festlandkolonie dieser Art in Nordamerika.

Wir verbrachten einige Zeit auf dem (zugegeben recht windigen) Aussichtsplatz und beobachten die drolligen Tiere. Und mensch, waren die laut! Am liebsten hätte ich mit allen geknuddelt…

Am Aussichtsort stehen auch ehrenamtliche Mitarbeiter der Organisation „Friends of the Elephant Seal“, die die Bewahrung und den Schutz der Kolonie sowie die Aufklärung zu See-Elefanten und dem Meeresleben zum Ziel haben.

Schließlich rissen wir uns schweren Herzens von den See-Elefanten los und düsten weiter nach Cambria, unserem heutigen Ziel. Dort hatten wir uns im „Pelican Inn & Suites“ (6316 Moonstone Beach Dr, Cambria, CA 93428)einquartiert, wo wir sogleich herzlich begrüßt wurden. Der CheckIn war (und jetzt alle im Chor) völlig problemlos und so konnten wir unser geräumiges Zimmer mit Kamin und Terrasse beziehen.

Wir machten schließlich noch einen schönen Spaziergang am Moonstone Beach entlang, wo wir einen atemberaubenden Sonnenuntergang erleben durften. Und hier konnte man wirklich erkennen, wie wild der Pazifik so war. Beeindruckend war es allemal.

Schließlich knurrten uns die Mägen und wir entschlossen uns, in eines der hiesigen Fischlokale zu gehen. Unsere Wahl fiel auf das „Sea Chest Restaurant“ (6216 Moonstone Beach Dr), unter anderem auch deswegen, weil es fußläufig zum Hotel lag. Dort angekommen mussten wir erst einmal ein wenig warten, bis ein Tisch frei war. Wir vertrieben uns die Wartezeit mit Wein – wenn man das Auto schon mal stehen lassen konnte…

Das Essen war vorzüglich. Ich weiß gar nicht mehr genau, was wir gegessen haben, aber ich weiß noch, dass es lecker war. Und das ist ja die Hauptsache 🙂

Pappsatt, leicht angeheitert und sehr zufrieden machten wir uns schließlich auf den Heimweg. Am nächsten Morgen ging es schließlich weiter – und zwar wollten wir nach Santa Barbara fahren. Und bei Morro Bay anhalten.

JUHU!!!

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Monterey

Der nächste Stop auf unserer Liste, bei dem wir eine Nacht verbringen wollten, war Monterey. Falls ihr jetzt denkt „Moment, das sagt mir doch irgendetwas!“, dann kann das tatsächlich verschiedene Gründe haben. Monterey hat zwar nur ungefähr 27.000 Einwohner, aber hat dafür einiges zu bieten.

Zum Einen findet hier jedes Jahr am dritten Septemberwochenende das älteste bestehende Jazzfestival weltweit statt, das Monterery Jazz Festival. Falls euch das nichts sagt, dann sagt euch Monterey vielleicht etwas wegen John Steinbeck, einem bedeutenden amerikanischen Autor, der uns solche Juwelen geschenkt hat wie „Früchte des Zorns“ oder „Von Mäusen und Menschen„. Dieser ist in Salinas aufgewachsen, dem damaligen county seat von Monterey County. Seine Kindheit in und um Monterey hat ihn sehr geprägt. 20181021_130824

The geography and demographics of the valley, the “Salad Bowl of the Nation,” stamped the young boy’s sensibilities. A strong sense of place is evident in his fiction: “I think I would like to write the story of this whole valley,” he wrote to a friend in 1933, when he was 31 years old, “of all the little towns and all the farms and the ranches in the wilder hills. I can see how I would like to do it so that it would be the valley of the world.” In 1952 he published his epic novel about the Salinas Valley, East of Eden. (Quelle: Steinbeck Museum )

Oder, falls euch das auch nichts sagt, dann liegt es vielleicht schlicht und ergreifend am Monterey Bay Aquarium – aber dazu später mehr.

Auf der Fahrt vom Sequoia Nationalpark nach Monterey passierte, soweit ich mich erinnern kann, nicht wirklich viel außergewöhnliches. Außer, dass wir – mal wieder – einen lustigen Zwischenfall bei Starbucks hatten. Schon ein paar Tage zuvor hatten wir dort angehalten, um einen Kaffee zu trinken und der Mann – seines Zeichen jemand, der gerne mal etwas Neues ausprobiert – hatte einen Almond Protein Cold Brew Coffee bestellt. Und, nunja, ich glaube, dieser Tweet fasst es ganz gut zusammen.

 

Es war ekelhaft.

Dieses Mal hatten wir zwar keinen Proteinkaffeedrink, aber ich lernte, dass mein Name nicht nur in deutschen Starbucks Probleme macht.
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Wir hatten für unseren Aufenthalt ein Motel gebucht (dafür aber mit inklusiv Frühstück!), das The Stevenson Monterey (675 Munras Avenue, Monterey, CA 93940). Der CheckIn war – mal wieder – völlig problemlos, leider war die Parkplatzsituation überschaubar. Die angeschlossene Tiefgarage mochte dieses Problem zwar lösen, doch die Parkplätze waren insgesamt eher eng gebaut und machten das Rangieren zu einem wahren Abenteuer.

Aber gut. Das Zimmer war sauber, das Bett bequem – was wollte man mehr? Wir entschlossen uns dafür, das restliche Tageslicht zu nutzen und den Ort zu erkunden. Ich schmiss mich in mein neu gekauftes Kleid (Outlet sei Dank) und so schlenderten wir hinunter zum Strand. Unterwegs gönnte ich mir noch ein (jaja, teures, aber dafür sehr leckeres) Eis von Revival Ice Cream (463 Alvarado St, Monterey), deren Spezialität es ist, dass ihr Eis handgemacht ist und nur aus lokal angebauten Zutaten besteht.

Und dann konnte ich meine Füße zum ersten Mal in diesem Urlaub ins Meer stecken. Und das war … überraschend kalt! Aber der Spaziergang am Strand entlang war trotzdem sehr schön. Wenn Meer in der Nähe ist, kann es einem ja auch gar nicht schlecht gehen.

Danach schlenderten wir noch über den Fishermans Wharf (101Washington, Monterey, CA 93940), was uns beiden aber ein wenig zu überfüllt und touristisch war. 20181020_165531

Zum Abendessen gab es – auf meinen Wunsch hin – Sushi bei Crystal Fish (514 Lighthouse Ave, Monterey), wo ich mich durch das vegetarische Sushiangebot futterte und dann – auf Anraten des Kellners – auch die etwas ausgefalleneren Röllchen probierte. Leider weiß ich nicht mehr genau, was da genau drin war, aber ich kann sagen, dass es sehr lecker war! Und ich war danach komplett überfressen. Der Mann hat seine Freude an seiner japanischen Art einer Zitronenlimonade, Ramune genannt. Wir benötigten tatsächlich etwas Hilfe vom Kellner, um hinter das Prinzip des Trinkens zu kommen, aber egal.

Am nächsten Morgen taten wir uns am moteleigenen Frühstücksbüfett gütlich … soweit es ging. Es war eher in der unterdurchschnittlichen Liga anzusiedeln, aber zumindest konnte man den gröbsten Hunger stillen. Und jetzt breiten wir den Mantel des Schweigens darüber.

Danach ging es zum Monterey Bay Aquarium (886 Cannery Row, Monterey, CA 93940), einem der größten Schauaquarien der Welt. Es beherbergt über 550 verschiedene Meerestierarten, unter anderem Pinguine, Seeotter und Haie. Der Mann war begeistert! Ich bin eher nicht so der große Fan von Aquarien, aber selbst ich hätte stundenlang bei den Seeottern oder bei den frechen Pinguinen stehen und sie beobachten können. Putzige Geschöpfe!

Was auch noch cool war, waren die vielen „Streichelbecken“, wo man unter anderem Rochen berühren konnte. (Auch hier war der Mann absolut in seinem Element.) Und es gab eine Zone mit Glasüberdachung, in der man stehen und miterleben konnte, was für eine gewaltige Wucht Wellen haben können. Das war schon sehr beeindruckend. Und ich kaufte mir ein wirklich süßes Shirt im Souvenirshop. Aber das nur so am Rande.

Man kann jetzt darüber streiten, ob knappe 50 USD Eintritt

gerechtfertigt sind oder nicht. Ich fand es

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persönlich teuer, aber andererseits kommt das Geld ja den Tieren und dem Artenschutz zugute und dann konnte ich das verschmerzen. Zumal das Aquarium wirklich viele Dinge bietet.

Nach dem Aquariumsbesuch schlenderten wir noch ein wenig durch die Gegend und dann ging es für uns schon wieder weiter. Der nächste Stop auf unserer Liste war Cambria. Und dafür würden wir entlang des berühmten Küstenabschnittes „Big Sur“ fahren.

Aber dazu mehr im nächsten Eintrag…

Sequoia Nationalpark

Der nächste Stop auf unserer Tour war der „Sequoia Nationalpark“. Vor allem bekannt für seine … naja … Sequoias – oder anders genannt „Mammutbäume“. Hier wollten wir erneut zwei Nächte verbringen. Der Park wird zusammen mit dem Kings Canyon Park verwaltet und bietet Höhenlagen von 400 bis über 4000 m, unter anderem liegt hier auch der 4418 m hohe Mount Whitney (der höchste Berg der USA außerhalb Alaskas). Der Pacific Crest Trail (den meisten durch den Roman Der große Trip von Cheryl Strayed bekannt) und der High Sierra Trail führen ebenfalls durch den Park.

Unser Weg vom Death Valley führte uns stundenlang über Straßen, die außer uns scheinbar niemand zu benutzen schien. Irgendwann meldete sich unser Kaffeedurst und wir entschlossen uns, in der nächsten Ortschaft anzuhalten. Wir kamen schließlich an einem Ort vorbei, der insgesamt nicht wirklich vertrauenswürdig wirkte. Die Gebäude, wenn sie denn überhaupt noch als solche zu erkennen waren, waren heruntergekommen. Wir sahen keine Menschenseele. Wir änderten unseren Plan und düsten weiter. Dann recherchierten wir bei Wikipedia und lernten die traurige Geschichte des Ortes. Einst lebten die Leute dort vom Berg- und Mineralienabbau. In den 1990er Jahren gab es eine Entlassungswelle in einer Chemiefabrik dort und zurück blieb nur eine Minengesellschaft. Die Infrastruktur und das soziale Leben der Stadt zerfiel. Die Menschen zogen weg und viele der verbliebenen Einwohner wurden Crystal Meth abhängig.

Mit einem Kloß im Hals fuhren wir weiter.

Schließlich erreichten wir den Eingang des Kings Canyon Nationalpark. Dort angekommen schossen wir erst einmal ein paar obligatorische Fotos am Schild des Parks. (Sehr zur Belustigung einer Gruppe Jugendlicher dort.) Dank unserer „America The Beautiful“ Card mussten wir keinen Eintritt mehr berappen, lediglich das Infomaterial nahmen wir mit.

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Eingang Sequoia Nationalpark

Der Weg war eng und voller Serpentinen, aber wunderschön. Wir gelangten immer höher und kurz vor einer weiteren Serpentine bemerkten wir eine lange Schlange mitten auf der Straße geparkter Autos. Kurz dahinter stand eine Traube Menschen mit verzückten Gesichtern und Fotoapparaten. Der Mann fackelte nicht lange, fuhr auf die Gegenfahrbahn, parkte und hüpfte mit dem Fotoapparat aus dem Auto. Ich war über diese krasse Verletzung der Straßenverkehrsordnung so erbost, dass ich schmollend sitzend blieb. (Und mich per Handzeichen mit der heranfahrenden Autofahrerin verständigen musste, die offenbar ratlos war, warum ihr ein in der Gegenrichtung stehendes Fahrzeug den Weg versperrte.)

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Der Schwarzbär, der den Verkehrsstau verursachte. Der wohl süßeste Grund der Welt.

Lange Rede, kurzer Sinn – im Waldstück unterhalb der Straße war ein Schwarzbär. Der Mann

war völlig verzückt, schoss ein Erinnerungsfoto und schwärmte noch stundenlang von seiner Sichtung. Mein Schmollen hielt auch nicht mehr allzu lange an. (Behaupte ich.)

Irgendwann erreichten wir auf knappen 2200 m Höhenlage schließlich unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte, der Wuksachi Lodge, einem wunderschönen Hotel mit verschiedenen Gebäuden inmitten eines breit angelegten Areals. Das Restaurant verfügt über einen spektakulären Ausblick in den Wald hinein. Sehr zu empfehlen.

Der Check In erwies sich als völlig problemlos (mal wieder) und wir konnten zügig unser Zimmer beziehen. Auf dem Parkplatz wurden wir schon von den ersten Bewohnern des Waldes empfangen. 🙂

An jenem Abend machten wir nicht mehr viel. Duschen, ein kleines Nickerchen und dann wollten wir im hoteleigenen Restaurant (wo auch sonst) etwas essen. An was wir nicht gedacht hatten war, dass man rechtzeitig (das hieß am besten schon am Morgen oder spätestens am Nachmittag) einen Tisch reservieren musste, da es im Hotel nur ein einziges Restaurant gab. Und so mussten wir ein wenig warten. Aber das Essen war sehr lecker und der Service phänomenal!

Kurz darauf fielen wir todmüde ins Bett.

Der nächste Morgen begann mal wieder früh, dafür aber mit einem sehr leckeren Frühstücksbüfett. Wir griffen ordentlich zu, denn wir hatten für heute volles Programm. Wir wollten sämtliche Sehenswürdigkeiten des Parks mitnehmen und das waren einige.

Ich war tatsächlich extrem aufgeregt und neugierig auf die gewaltigen Mammutbäume und vor allem auf den größten seiner Art, den „General Sherman Tree“. Mit einer Stammhöhe von fast 84 m und einem Brusthöhendurchmesser von 825 cm wird er oft als „the largest living thing on earth“ bezeichnet, weil er damit der voluminöseste lebende Baum der Erde ist. Den Ast, den er 2006 bei einem Sturm verlor, liegt noch immer dort und kann besichtigt – und bestiegen – werden.

Wir stiegen gefühlte einhundert Treppen auf dem hübsch angelegten Fußweg hinunter (mit vielen interessanten Hinweistafeln an der Seite und genug Bänken zum ausruhen) und standen kurze Zeit später vor dem General. Wir verkniffen uns den militärischen Gruß (Brüllerwitz, ich weiß) und stellten uns stattdessen für ein Foto an. Ja, richtig gelesen. Der Sequoia Nationalpark ist zwar – im Vergleich zum Yellowstone oder zum Yosemite Nationalpark – einer der weniger besuchten Parks der USA (was vor allem daran liegt, dass man ihn nur mit Auto oder mit einer geführten Tour, aber nicht mit ÖV erreichen kann), aber hier in diesem Teil des Parkes bemerkte man das nicht. Die Schlange für ein Foto mit General Sherman war doch relativ lange und so harrten wir (mehr oder weniger geduldig) aus, bis wir an der Reihe waren.

Und, ehrlich gesagt, merkt man unseren Erinnerungsfotos auch an, dass sie in Eile und mit jeder Menge Zuschauer geschossen wurden. Wir machten schließlich noch ein paar Fotos auf der anderen Seite des Baumes – zusammen mit eben jenen heruntergestürzten Ast – und die gefallen mir persönlich viel besser.

Wir spazierten noch eine Weile auf den Trails, schossen jede Menge Fotos, bestaunten jede Menge hoher Bäume und versuchten, noch mehr Tiere zu Gesicht zu bekommen.

Der Weg zurück zum Parkplatz war dann doch beschwerlicher als gedacht. Aber, wie sagte schon Gollum so schön? „Rauf, rauf, rauf, immer schön die Treppe rauf.“ Und das taten wir. Unterwegs umarmte ich übrigens noch eine Menge Bäume. Einfach nur, weil ich es konnte. Und weil Bäume auch Liebe verdient haben.

Anschließend überlegten wir uns, was wir noch tun könnten. Der Tag war noch jung, wir hatten unser packed lunch vom Hotel dabei und wir waren voller Tatendrang. Also entschlossen wir uns, erst einmal zum Giant Forest Museum zu fahren (Eintritt kostenlos!). In diesem teilweise interaktiven und sehr liebevoll ausgestatteten Museum lernten wir eine Menge über Sequoias und die Besonderheiten dieser Baumart.

>>Zu Beginn der Parkgeschichte wurden Waldbrände in den Arealen der Sequoias umgehend bekämpft. Nachdem man in den Folgejahren einen Rückgang der jungen Sequoia-Bäume feststellte, wurden die folgenden für den (Fort-)Bestand der Riesenbäume relevanten Bedingungen ermittelt:

  1. Waldbrände „reinigen“ den Boden von Konkurr
    20181019_112109

    Der Zapfen eines Mammutbaumes

    enzpflanzen.

  2. Durch Hitzeeinfluss öffnen sich die Zapfen
  3. der Sequoias, sodass die Samen auf den Boden fallen.
  4. Die nach Bränden verbleibende Asche schafft einen Nährboden für die abgeworfenen Samen.
  5. Sequoias können trotz großer Hitze- und Brandeinwirkung noch weiter überleben.

In den Nationalparks stehen auf Grund dieser Erkenntnisse Hinweise, die auf die Relevanz von Feuern hinweisen.<< (Quelle )

So mit Informationen ausgestattet überlegten wir, zur Crystal Cave zu fahren, einer Tropfsteinhöhle, doch die war leider schon für die Saison geschlossen. Also entschieden wir uns noch für einen kleinen Spaziergang und wählten den „Big Trees Trail“, einen ca. 1 km langen Rundweg um Round Meadow. Tolle Fotos, ein sehr netter, angenehmer kleiner Spaziergang und viele Möglichkeiten zu sitzen und einfach nur die wunderbar entspannende Stimmung aufzusaugen. (Und widerliche öffentliche Toiletten zu benutzen. Aber das nur so am Rande.)

Danach entschlossen wir uns, die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit (neben dem General Sherman Tree) des Parkes zu besuchen: Dem Tunnel Log, einem umgestürzten Sequoia den man mit dem Auto durchfahren kann.

Er war relativ schwierig zu finden (vor allem durch meine schlechte Navigation), aber so machten wir noch einen kleinen Abstecher bei einem weiteren umgestürzten Sequoia. War auch schön so. Der Tunnellog sorgte für ein paar nette Videos und war ein gutes Fotomotiv.

Danach ging es noch weiter zum Moro Rock, einem domförmigen Granitmonolith, ca. 2000 m hoch, den man über eine gemeißelte Treppe erklimmen kann. Diese Sehenswürdigkeit überließ ich dann doch nur dem Mann und wartete unten auf ihn. (Er fands toll. Also den Ausblick, nicht, dass ich ihn alleine ließ. Obwohl…)

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Der Ausblick von Moro Rock

Danach ging es zurück ins Hotel, wo wir uns einen Tisch für das Abendessen reservierten (man lernte ja dazu) und uns dann noch ein wenig im Souvenirshop herumtrieben. Ich kaufte ein paar Souvenirs und Postkarten für die lieben Menschen zuhause und dann entdeckten wir, dass man dort auch einen kleinen Sequoia für zuhause kaufen konnte. Nun ja, so kam es schließlich, dass dieser kleine Baum unser treuer Begleiter für die Reise wurde und schließlich auch mit nach Deutschland kam. Aber das nur so am Rande.

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Unser kleiner Sequoia

Den Abend verbrachten wir ganz entspannt in der Hotellobby, wo wir in unseren Büchern schmökerten und später ein leckeres Abendessen einnahmen, bevor wir todmüde ins Bett fielen. Und, mal so nebenbei, so gut wie im Sequoia oder auch im Yosemite Nationalpark habe ich nirgends geschlafen. Diese himmlische, himmlische Ruhe…! Wahnsinn!

Am nächsten Tag wartete wieder die gewohnte Routine auf uns. Duschen, packen, frühstücken, auschecken, weiterfahren. Der nächste Stop? Monterey! Wir hatten nämlich beschlossen die Wildnis (haha) hinter uns zu lassen und den zweiten Teil unseres Roadtrips in Städten zu verbringen und da konnten wir Monterey nicht außen vor lassen. Aber mehr dazu in meinem nächsten Blogeintrag…

Hallo Death Valley!

Nach einem gesunden Frühstück (ich gönnte mir eine Schüssel Joghurt mit Granola und Früchten) packten wir unsere Siebensachen wieder einmal, denn heute ging es weiter ins Death Valley.

Eine der Abstecher, über die wir lange diskutiert hatten. Denn der Weg vom Yosemite Nationalpark bis ins Death Valley betrug ganze 390 Meilen – oder, anders gesagt, über sechseinhalb Stunden Autofahrt. Aber, wenn man schon mal in der Ecke der Welt ist, sollte man doch so viel wie möglich mitnehmen und so entschieden wir uns am Schluss für einen Kompromiss. Wir würden ins Death Valley fahren, aber nur eine Nacht bleiben. Warum sollte man sich im Urlaub auch ausruhen, nicht?

Also zockelten wir los und zum Glück war der Tioga Pass (immerhin auf der höchsten Stelle über 3000 m hoch und daher normalerweise ab Ende Oktober aufgrund Schneemassen gesperrt) offen, so dass wir uns doch noch einen Umweg sparten. Da wir sowieso schon wieder so früh unterwegs waren (danke Jetlag) machten wir uns auch selbst gar keinen Zeitdruck. Wenn wir etwas sahen, das schön aussah und das wir näher anschauen wollten, fuhren wir raus. (Und ich muss sagen, dass das eigentlich fast das Schönste am ganzen Urlaub war. Wann macht man sowas denn im normalen Alltag schonmal?)

Und so kam es auch dazu, dass wir am Tenaya Lake anhielten, einem Gletschersee auf ungefähr 2480 m, der noch im Yosemite Nationalpark liegt. Wir machten einen kleinen Spaziergang um den See, bewunderten den weichen Sandstrand und schossen (natürlich) auch ein paar Fotos.

Da uns von mehreren Seiten eindrücklich ans Herz gelegt wurde, noch einmal vollzutanken und die Getränkevorräte aufzufrischen, bevor man wirklich ins Death Valley einfuhr, taten wir dies natürlich. Unsere Wahl hierfür fiel auf Lone Pine, eine kleine Stadt, die inzwischen hauptsächlich vom Tourismus lebt. Dort füllten wir unsere Wasservorräte auf, tankten pflichtbewusst auf und nahmen dann noch ein kleines Mittagessen ein.

Nachdem das erste Restaurant bei mir aufgrund der wenig vertrauenerweckenden Fassade abgelehnt wurde, entschieden wir uns für „The Grill„, wo ich ein tuna sandwich (das in Ordnung war) und der Mann ein Phili Cheese Sandwich aß. Und das war, wenn man seinen Worten trauen konnte, wirklich gut. Als Nachttisch gab es noch einen cheesecake – und der war wirklich der Knaller. Zudem war der Betreiber (ein Belgier) ein echtes Unikat, weswegen der Besuch gleich doppelt so viel Spaß machte. Meine Empfehlung für einen Besuch in Lone Pine – man sollte sich von der durchwachsenen Bewertungen auf FourSquare nicht täuschen lassen.

Im Death Valley hatten wir uns nicht, wie offenbar viele andere, für die „Furnace Creek Inn & Ranch“ entschieden, sondern für das etwas kleinere und günstigere „Stovepipe Wells Village Hotel“. Der Check In war (wie eigentlich überall) problemlos und schon nach kurzer Zeit konnten wir unser kleines, motelähnliches Zimmer beziehen. Wir ahnten schon, dass es eine recht laute Nacht werden würde – die Geräusche der Klimaanlagen waren nicht zu unterschätzen.

Da es noch genügend Tageslicht gab (so dachten wir zumindest) entschieden wir uns, noch einen kurzen Abstecher ins Innere des Tales zu machen. Für das Badwater Bassin war es jedoch dann doch schon zu spät, also entschieden wir uns für den Salt Creek Trail, einen ca. 1 1/2 Meilen Rundgang. Der größte Teil des Salt Creek ist ausgetrocknet und durch regelmäßige Überschwemmungen und dem daraufhin stattfindenden Verdunsten des Wassers von einer Salzschicht überzogen. Angeblich sollte man hier, falls es mal Wasser zu sehen gab, sogar Fische entdecken können.

Was mir von dem Spaziergang in Erinnerung blieb war die unendliche Stille, die man hörte. Man fühlte sich wie die einzigen Menschen auf dem Planeten. Und irgendwie machte mir das auch ein wenig Angst. Vor allem, als es dann doch schneller dunkel wurde als gedacht. Dabei galt meine Hauptsorge jedoch den nachtaktiven (und mit Sicherheit nicht ganz ungefährlichen) Tierchen, die dann aktiv wurden…

Schließlich fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft, betrieben noch ein wenig Souvenirshopping, versuchten (erfolglos) an Internet zu kommen und überlegten dann, was wir noch treiben konnten. Schließlich kamen wir auf die zündende Idee – Sterne gucken! Wo sollte dies besser gehen als hier? Also setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren zu den berühmten Mesquite Sand Dunes (vor allem bekannt aus Star Wars). Dort standen wir also und betrachteten den abnorm schönen und gewaltigen Sternenhimmel. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Sterne gesehen! (Gemindert wurde unsere Freude nur von einem hell beleuchteten VW Bus, der auf dem Parkplatz stand, und die Stimmung durch die lärmenden Insassen etwas trübte.)

Überwältigt von den vielen Eindrücken (und der langen Autofahrt) fielen wir schließlich ins Bett. Und die Klimaanlagen waren laut. Aber gut, was solls.

Der nächste Tag begann für uns, mal wieder, viel zu früh (Überraschung?), also beschlossen wir, noch vor Sonnenaufgang zum Badwater Bassin zu fahren, immerhin doch 42 Meilen von unserer Unterkunft entfernt. Es war schon ein ziemlich interessantes Gefühl als einziges Auto bei völliger Dunkelheit durch die Wüste zu fahren. Pünktlich zum Sonnenaufgang waren wir schließlich dort.

Das Badwater Bassin ist vor allem deswegen bekannt, weil es der tiefste Punkt der USA ist (85.5 m unter Meeresspiegel) und weil dort regelmäßige Hitzerekorde aufgestellt werden. Über 50°C im Sommer ist dort keine Seltenheit. Also dachten wir eigentlich auch, dass es dort etwas … hm … nun ja … wärmer wäre. Aber gut, zumindest kurz nach Sonnenaufgang war dies nicht der Fall 🙂

Wir gingen bis zum Ende des mit Holzplanken ausgebauten Weges und waren uns dann nicht ganz sicher, ob wir weiterlaufen durften. Weil … nun ja … da stand nicht ausdrücklich, dass man weiterlaufen durfte. Aber das hier konnte ja noch nicht alles gewesen sein, oder?! Das wäre ja doch etwas enttäuschend.

Inzwischen waren schon ein paar andere Menschen zu uns gestoßen und die gingen freudig einfach weiter. Also taten wir das auch. Und als wir dann schließlich auf der endlosen Salzpfanne standen waren wir doch begeisterter als angenommen. Es war schon beeindruckend. Wir schossen ein paar Fotos und machten uns dann auf den Rückweg.

Wir hielten dann doch noch mal an den Sanddünen an, um ein paar der kleineren zu besteigen. Dort machten wir ein (ziemlich lustiges, da ziemlich peinliches) Fotoshooting, so ganz mit Hüpfaufnahmen, das die anderen Touristen recht amüsierte. Dann verschlug es uns (aufgrund hungrig knurrender Mägen) zurück zum Hotel, wo wir uns durch ein sehr reichhaltiges, leckeres Frühstücksbüfett futterten.

Wir packten unsere Sachen, checkten aus und sagten dem Death Valley „Auf Wiedersehen!“. Oder vielleicht doch nicht unbedingt auf ein Wiedersehen, denn so beeindruckend es wirkte, so reichten uns die paar Stunden in diesem Nationalpark zumindest völlig.

Unser nächster Stopp?

Der Sequoia Nationalpark! Um den geht es dann im nächsten Blogbeitrag.

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Kurzer Abstecher nach Kalifornien

(Dieser Blogeintrag ist wohl seit neuestem als Werbung zu betrachten, weil ich Empfehlungen für Restaurants, Unternehmungen und Unterkünfte mache, aber 0 daran verdiene. Logik. Aber ich wollte es erwähnen.)

Mea culpa! Ich weiß, dass mein Blog ein wenig brach liegt – und damit auch die Berichterstattung zum Kilimandscharo. Das liegt nicht daran, dass ich keine Lust zum schreiben hätte, sondern eher daran, dass das eine so überwältigende Erfahrung war, dass es mir so schwer fällt, es in Worte zu fassen. Daher berichte ich euch jetzt erst einmal über meinen Oktoberurlaub, den ich in den USA verbracht habe.

Schon seit ich ein Teenager war, träumte ich von einem USA Roadtrip. Am liebsten einmal quer durch das Land – von Ost nach West, mit einem chicen Auto und guter Musik (weiter reichten meine Tagträume allerdings nie). Als mir der Mann jedoch im Sommer vorschlug, nach Kalifornien zu fliegen, war ich noch wenig begeistert. Was sollte man dort denn machen und lohnt sich das überhaupt und hullahupp und trallala. Dann kaufte ich mir einen (na gut, drei) Reiseführer, schmökerte ein wenig in Reiseberichten anderer Menschen im Internet und zack, war es um mich geschehen.

Und so wurde es Kalifornien.

Mit ein wenig Dienstplangeschiebe auf beiden Seiten konnten wir uns insgesamt 16 Tage freischaufeln, in denen wir den Golden State bereisen wollten. Und dann ging die Planung los. Bei so vielen tollen Sehenswürdigkeiten konnten wir uns nur schwer entscheiden. Zudem mussten noch andere Kleinigkeiten bedacht werden. Allen voran natürlich – wohin fliegt man und von wo fliegt man wieder zurück? Rundreise oder One Way? Mietwagen oder Wohnwagen?

Am Schluss entschieden wir, dass wir uns einen Mietwagen leisten würden, um dann unterwegs in Motels, Hotels und Bed & Breakfasts unterzukommen. Das erschien uns am sinnvollsten. Auch, weil wir die ein oder andere Großstadt mitnehmen wollten und das erschien uns mit dem Wohnwagen dann doch zu unpraktisch. Landen würden wir in San Francisco, zurückfliegen würden wir von Los Angeles.

Schwupps! – und schon war der Sommer rum und unser Urlaub stand vor der Tür. Wir ließen uns von meinen Bruder zu unchristlicher Uhrzeit nach Frankfurt an den Flughafen fahren, wo uns schon die erste Überraschung einholte: Der Self Check-In funktionierte nicht. Totalausfall der Systeme, was hieß, dass wir am Schalter einchecken mussten. Wir und alle anderen Reisenden auch. Zum Glück dauerte es nicht so lange wie befürchtet und so hatten wir noch gemütlich Zeit für eine Portion Pommes und einen Milkshake beim Restaurant mit dem großen M.

Schließlich saßen wir im Flugzeug und ungefähr 3 Filme und 18 Folgen diverser Serien später landeten wir in San Francisco. Ich war völlig übermüdet und zugleich komplett aufgedreht, eine unangenehme Mischung für alle Beteiligten. Doch ich konnte mich bei der immigration noch zügeln, so dass es bei der Einreise keinerlei Probleme gab. Auch unser Gepäck wartete schon.

Wir hatten unseren Mietwagen bei Alamo gebucht. Auch dort gab es einen Selbstbedienungsautomaten, der anfangs einfacher wirkte, als er dann wirklich war. Aber nach einigem Kopfzerbrechen und der Hilfe eines netten Angestellten konnten wir unsere Reservierung dann doch abschließen und unser Auto holen. Ein weiterer Angestellter zeigte uns die Autos, aus denen wir auswählen durften und wir entschieden uns für einen netten kleinen SUV. Welche Marke habe ich ehrlich gesagt vergessen. Aber er war schwarz (glaub ich) und man konnte den Kofferraum öffnen, in dem man den Fuss unter eine Lichtschranke unter dem Auto hielt. Das war cool. (Entschuldigt diese vagen Angaben, aber ich hab wirklich keine Ahnung von Autos.)

 

Unsere erste Unterkunft hatte den netten Namen „Hotel V South San Francisco“ (222 South Airport Boulevard, South San Francisco), das wir eigentlich nur deswegen ausgesucht hatten, weil es nicht weit vom Flughafen weg war und wir die teuren Preise im zentraleren Teil San Franciscos nicht zahlen wollten. Der Check In war vollkommen problemlos, aber es zeigte sich relativ schnell, dass es kein Hotel, sondern ein Motel war. Und zwar genau so, wie man sich ein Motel vorstellte, wenn man diese bisher nur aus amerikanischen Filmen und Serien kannte.

Es war einfach eingerichtet, dafür war das Zimmer und die Bettwäsche sauber und die Tür war mit doppelten Schlössern gesichert. Sehr beruhigend.

Wir machten uns kurz etwas frisch und beschlossen dann, die restlichen Stunden Tageslicht zu nutzen, um uns San Francisco etwas anzusehen. Wir beschlossen im Golden Gate Park zu starten und landeten schließlich im Japanese Tea Garden. Eine wirklich sehr schön angelegte Anlage, in der es sogar springende Koikarpfen gab. Sehr beeindruckend! (Wenn auch teuer.) Wir machten noch einen Abstecher im Shakespeare Garden, doch dann schlug der Jetlag langsam, aber sicher zu.

Wir nutzten noch die Zeit und fuhren über die Golden Gate Bridge, ein ganz besonderes Gefühl! Eines der Highlights des Urlaubs für mich. Auf dem Rückweg erlebten wir dort auch den wohl schönsten Sonnenuntergang, den man sich vorstellen konnte. Blutrot. Und leider nicht auf Kamera zu bannen. Aber im Gedächtnis wird er immer da sein.

Das nächste Highlight (zumindest für den Mann) war ein Besuch auf dem Heimweg bei Trader Joe’s, einer Einzelhandelskette, die (laut Wikipedia) 2006 vom Handelsblatt wie folgt beschrieben wurde: „ein bisschen Öko, ein bisschen Gourmet und ein bisschen Discount“. Ich nutzte die Zeit und streunte durch die Regale auf der Suche nach mir unbekannten Lebensmitteln oder einfach nur schrägen Verpackungen. Spoiler: Ich fand Beides.

Eingedeckt mit Wasser ging es dann zurück ins Hotel für eine wohlverdiente Mütze Schlaf.

 

Am nächsten Morgen waren wir dafür schon um kurz nach fünf Uhr putzmunter, was uns dazu veranlasste, ein kleines Frühstück im Dunkin Donuts ein Häuschen weiter einzunehmen. Dann fuhren wir in die Stadt und fanden einen kostenlosen Parkplatz, genau eine Straße vom Pier 33 entfernt. Wir machten einen sehr entspannenden, da beinahe menschenleeren Spaziergang entlang des „The Embarcadero“ und schauten uns den Sonnenaufgang vom Pier 7 aus an. Dann schlenderten wir zum Ferry Building Marketplace, wo Markttag war. Wir vertrieben uns die Zeit mit bummeln (ich fing schon mal begeistert mit dem Souvenirshopping an) und tranken noch einen netten Kaffee. Als die Massen begannen einzuströmen brachen wir auf, um uns ein Frühstückslokal zu suchen.

Nachdem zwei der Lokale, die wir eigentlich besuchen wollten, völlig überfüllt waren, versuchten wir unser Glück im nächstbesten Hotel mit Frühstückskarte. (Leider hab ich den Namen nirgends notiert.) Soweit ich mich erinnere gönnte ich mir Eggs Benedict und der Mann bestellte Pancakes. Aber meine Erinnerung könnte auch trügen. Als es ans Bezahlen ging, lernten wir eine neue Lektion – wir verlangten die Rechnung, diese kam in einem kleinen Mäppchen, wir legten die Karte hinein, der Kellner nahm es mit, brachte es  … und dann lagen da auf einmal zwei Belege drin. Einer für den Kunden, einer für das Restaurant, in dem man handschriftlich das Trinkgeld eintragen sollte. Das taten wir pflichtschuldig (Amerika ist schließlich eine Trinkgeldnation und alles unter 20% wird ja offensichtlich als persönliche Beleidigung gesehen) und warteten dann darauf, dass das Mäppchen wieder abgeholt wurde.

Und warteten.

Und warteten.

Und warteten.

Schließlich wurde die Zeit knapp – wir hatten Ticktes für Alcatraz gebucht – und schließlich schlussfolgerten wir, dass man einfach gehen konnte. Das taten wir dann auch. Und keiner blickte uns schief an.

Lektion gelernt.

Wir schlenderten hinüber zu Pier 33, wo die Fähren nach Alcatraz absetzten. Die Schlange war nicht so lang wie erwartet und alles ging ganz gesittet zu. Die Überfahrt dauerte ungefähr 20 Minuten und verlief reichlich unspektakulär. Nach der Ankunft auf der Insel gab es noch ein kurzes Briefing durch einen der Ranger und dann durfte man die Insel auf eigene Faust erkunden. Wir entschlossen uns, die kostenlose audio tour durch den Zellenblock zu machen, die netterweise auch auf Deutsch angeboten wurde. Meine Topempfehlung! Es war extrem spannend an einem Ort zu sein, der so viel Geschichte geschrieben hat – und ein wenig Gänsehaut war auch dabei. Die Zeit verging viel zu schnell.

Wir machten noch einen Spaziergang entlang des Agave Trails (sehr, sehr windig!) und kamen schließlich durch den prisoner gardens in den recreation yard – direkt in den Souvenirshop. Oh nein! Und schon hatte ich ein paar neue Souvenirs in meinem Koffer. Ups.

Zurück auf dem Festland wollten wir uns China Town ansehen gehen. Doch kaum waren wir ein, zwei Stunden unterwegs, sackte mir plötzlich der Kreislauf weg. Mir war merkwürdig und ich wollte aus meiner Haut, aber konnte logischerweise nicht. Glücklicherweise passierte dies direkt vor einem Cafe, wo ich mich in einen sehr gemütlichen Sessel ausstrecken und literweise Eiswasser in mich hineinschütten konnte. Das half meinem angeschlagenen Gemüt auf die Sprünge. (Hilfreich war auch die Anwesenheit eines wunderschönen süßen niedlichen und zudem noch freundlichen Golden Retrievers namens Luca, den ich eventuell ein wenig zu viel geknuddelt habe. Er fands geil. Ich auch.)

Schließlich konnten wir unseren Bummel fortsetzen (wenn auch noch immer mit ein wenig weichen Knien) und schlussendlich kamen wir ans Pier 39 bei Fishermans Wharf, an dem sich haufenweise Seelöwen tummelten. Natürlich tummelten sich dort auch ein ganzer Haufen Menschen, aber es war einfach zu drollig, die Tiere zu beobachten. Ich hätte wohl den ganzen Tag dort stehenbleiben können. Aber schließlich drängte der Unternehmungsgeist weiter.

Wir fuhren die wohl berühmteste Straße San Franciscos hinunter – die Lombard Street am Russian Hill. Eins bekannt wegen des Rufs einer der steilsten Straßen der Stadt mit einem Gefälle von bis zu 27%, die 1922 in Serpentinenform und als Einbahnstraße umgebaut wurde. Jetzt beherbergt sie 10 Kurven in 145 Metern. Da die Schlange der Leute echt lang war, die dort runterfahren wollten, war es ein nice to have, aber nochmal müsste ich da nicht runter. (Tipp: Die Filbert Street hat ein Gefälle von ca. 31% und wurde nicht entschärft. Das ist die Straße, die man in so manch einem Actionfilm schon als Sprungschanze bei Verfolgungsjagden sehen durfte.)

Da die Sonne sich langsam schon verabschiedete, beschlossen wir noch, uns den Sonnenuntergang auf dem Twin Peaks Summit (100 Christmas Tree Point Rd at Twin Peaks Blvd) anzusehen. Was in der Planung gut klang, bekam bei der Umsetzung nur eine mittelmäßige Bewertung. Es war ar*chkalt und wir mussten so dringend pinkeln, dass wir eines dieser sich-selbst-unter-Wasser-setzenden-Dixieklos benutzten. (Keine Erfahrung, die ich wiederholen wollte.)

Da wir auch schon wieder müde und hungrig wurden (danke Jetlag) und wir ein Restaurant wollten, in dem man gut und nicht abartig teuer Meeresfrüchte essen konnte, entschieden wir uns schließlich für „Red Hill Station“ (803 Cortland Ave), ca. 20 min außerhalb des Zentrums. Ganz klarer Geheimtipp für jeden, der San Francisco besucht, gut und relativ günstig essen möchte und mobil ist. Vor allem der lime-thyme-crusted cod with vegetables and mashes potatoes!!!

In dieser Nacht schlief ich ziemlich schlecht. Und nein, das lag nicht an den Meeresfrüchten, sondern an einer rauschenden Party und einem darauffolgenden lautstarken Streit mit mehreren Beteiligten. Ich lag hellwach in meine Bett und hoffte nur, dass alles glimpflich ausgehen würde. (Man hört ja doch so einiges von den Amerikanern mit ihrer Schusswaffenliebe.) Aber irgendwann war es wieder ruhig und ich konnte weiterschlafen.

Naja, zumindest bis um 5 Uhr.

Da auch der Mann nicht mehr so richtig schlafen konnte machten wir uns gemütlich fertig, packten unsere Sachen, checkten aus und machten uns dann auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: Napa Valley. Allerdings hatten wir noch vor, einen Abstecher zum Muir Woods National Monument zu machen, um ein wenig wandern zu gehen und um Küstenmammutbäume zu sehen.

Der Plan hatte nur den kleinen Haken, dass in den Sommermonaten (hätte ja nicht gedacht, dass Oktober noch zu den Sommermonaten zählt) die Parkplätze im Voraus gebucht werden müssen, da sie ratzefatz ausgebucht sind. Und das war auch hier der Fall. Auch der Shuttlebus mit seinen drei Stationen muss im Vorfeld gebucht werden – auch dieses Detail hatte ich bei der Planung übersehen. Und so ließen wir das Schutzgebiet links liegen und brausten weiter Richtung St. Helena, unserem nächsten Etappenziel im Herzen des Napa Valleys.

Und während wir auf entzückenden kleinen Landstraßen entlangfuhren, bemerkten wir auf einmal eine gewaltige Ansammlung Kürbisse auf der einen Seite der Straße mit einem Hinweis zu einem Kürbisfest am Stanley Lane Market (3100 Golden Gate Dr at Stanley Ln, Napa, CA 94558). Blinker gesetzt und schon waren wir mittendrin im Getümmel. Und so bewies sich mal wieder, dass spontane Entscheidungen doch meistens die besten sind – das Kürbisfest war eine Mordsgaudi und wir hatten unendlich viel Spaß bei bestem Wetter und tiefblauen Himmel.

Der nächste Stop – diesmal geplant – war in einer Outlet-Mall, den sogenannten Napa Premium Outlets (629 Factory Stores Dr, Napa, CA 94558). Dort angekommen verbummelten und vershoppten wir die folgenden Stunden und machten das ein oder andere erstaunlich günstige Schnäppchen. (Dort kam mir auch zum ersten Mal der Gedanke, dass mein Koffer vielleicht doch ein wenig zu knapp bemessen war.)

Bestens gelaunt und mit glühenden Kreditkarten fuhren wir schließlich bei unserer nächsten Unterkunft vor, dem El Bonita Motel (195 Main Street, St. Helena, CA 94574). Die erste und einzige Unterkunft, die ich gebucht hatte, weil sie mir bei Instagram vorgeschlagen wurde und mich die Bilder überzeugt hatten. Und tatsächlich war die gesamte Anlage sehr gepflegt, das Bett war gemütlich und es gab sogar kostenloses Frühstück. Der Check In war problemlos und so stand unserer Tagesplanung nichts mehr im Weg.

Wir beschlossen erst einmal einen Happen essen zu gehen und uns selbst davon zu überzeugen, dass der Ruf der Weine aus dem Napa-Valley als „die Weltbesten“ gerechtfertigt war. Unsere Wahl fiel auf das „Goose & Gander“ (1245 Spring St., St. Helena, CA 94574), wo wir leckeres Essen bestellten (was genau weiß ich beim besten Willen nicht mehr) und noch leckereren Wein tranken. Lustigerweise gab es sogar deutschen Wein aus der Moselregion auf der Karte, aber wir entschieden uns für lokalen Wein, was wir nicht bereuten.

Danach machten wir noch einmal einen kurzen Abstecher ins unser Motel, um ein wenig auszuruhen. Der Jetlag machte uns selbst nach drei Tagen noch zu schaffen. Ich wollte eigentlich nur ein kleines Nickerchen machen … und als ich wieder aufwachte, waren drei Stunden vergangen und draußen war es stockfinster. Also beschloss ich einfach weiterzuschlafen. Gesagt, getan.

 

Eventuell bereue ich inzwischen, dass ich nicht mehr vom Napa Valley gesehen habe, weil ich den halben Tag verpennt habe, aber andererseits liebe ich schlafen. Von dem her passt das schon, wie der Bayer zu sagen pflegt.

Am nächsten Morgen (wir entwickelten uns langsam, aber sicher und auf jeden Fall nicht freiwillig zu Frühaufstehern) packten wir wieder unsere Siebensachen und machten uns wieder auf den Weg. Diesmal lag eine relativ weite Strecke vor uns, denn wir wollten in den Yosemite Nationalpark! Eine der Stationen, auf die ich mich besonders freute.

Unterwegs machten wir noch einen Abstecher, um die lokale Kultur näher kennenzulernen… und ich entdeckte Cherry Coke. Ein Laster, das mir den gesamten Urlaub treu blieb und an das ich jetzt noch sehnsüchtig zurückdenke. (Und ja, ich weiß, dass es Cherry Coke auch hierzulande gibt, aber die schmeckt anders ohne das Urlaubsgefühl!) Als uns so langsam ein kleines Hüngerchen packte, beschlossen wir, auf gut Glück irgendwo rauszufahren, um uns ein typisch amerikanisches Diner zu suchen.

Gesagt, getan und schon nach kurzer Zeit fanden wir Hwy 12 Diner (1000 Hwy 12, Rio Vista, CA 94571), ein Restaurant mit knautschigen roten Ledermöbeln und auch ansonsten wie aus einer amerikanischen Sitcom herausgeschnitten. Ich bestellte buttermilk pancakes with maply syrup und bekam einen Berg an Pancakes in einem See von Ahornsirup serviert. Es war lecker, aber verlangte all meine Kraft. Aufessen konnte ich es trotzdem nicht, aber dafür hat man ja Männer. 🙂

Beim Yosemite NP angekommen (mein freudiges Juchzen hörte man sicherlich bis nach Europa) kauften wir uns erstmal einen „America The Beautiful„-Pass, der einmalig 80 Dollar kostete und in über 2000 federal recreation sites gültig ist. Je nachdem, wie viele Nationalparks man auf seiner Reise besuchen möchte, kann sich dies gut lohnen. So eben auch bei uns. Zumal uns so das ständige Ticket kaufen beim Parkeingang erspart blieb. Der Ranger war extrem gut gelaunt und meine Vorfreude auf den Park stieg noch mehr.

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Wir drehten eine Runde im Yosemite Park und im Nachhinein kommt es mir so vor, dass wir alle fünf Minuten stehenblieben, um die Aussicht zu genießen, die Natur zu bewundern und Fotos zu machen. Überall gab es etwas zu sehen! Wir erhaschten auch den ersten Blick auf El Capitan (der allerspätestens seit dem Film „Durch die Wand“ ein Begriff ist).

Überwältigt von der Schönheit des Nationalparks ließen wir dann den Abend in unserem ersten „richtigen“ Hotel ausklingen, der Rush Creek Lodge (34001 Highway 120, Groveland, CA 95321) ausklingen. Und ich weiß gar nicht, wie ich diese Unterkunft am besten in Worte fassen soll. Überragend trifft es vermutlich am besten. Selten habe ich in einem schöneren, gemütlicheren Hotel übernachtet. Neben dem großzügigen Zimmer mit dem schönen Ausblick in den Wald, sowie einer überzeugenden Regenwalddusche gab es mehrere Gemeinschaftsräume, so zum Beispiel eine Art Wohnzimmer mit offenem Kamin, Brettspielen und Sofas oder einen Raum mit Flipper- und Kickertischen. Das Ganze abgerundet von zwei sehr schönen Restaurants (die leider beide dieselbe Karte anboten) und einem großzügig gestalteten Pool mit schön angelegter Bar und Sitzplätzen mit Feuerstelle.

Wir genehmigten uns vor dem Abendessen noch einen Drink (oh mein Gott, wie lecker diese passion fruit margharita war!!!) und fielen irgendwann todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen waren wir mal wieder zeitig wach (Überraschung, sag ich da nur), aber das störte überhaupt nicht, da wir wandern gehen wollten. Es gab ein leckeres Frühstück im Hotel (für mich gab es einen Lachsbagel mit breakfast potatoes und für den Mann eine breakfast bowl mit ganz vielen gesunden Dingen und Eiern) und dann packten wir unsere Rucksäcke. Eigentlich hatten wir vorgehabt eine Wanderung rund um und auf den Half Dome zu machen. Als ich jedoch in der Beschreibung las, dass es dort Stellen gab, die sehr exponiert waren und für Leute mit Höhenangst nicht zu empfehlen waren, entschied ich mich dagegen. Stattdessen hatte ich eine Alternativroute herausgesucht, gute 20 km lang, die uns an den Höhepunkten des Yosemite Parks entlangführen sollten.

Klang doch gut, oder?

Fand ich auch. Dumm nur, dass mir mein von Natur aus fehlender Orientierungssinn in die Quere kam. Aber ich bemerkte meinen Fehler doch schon nach gut 15 Kilometern.

Ach, naja, egal. Wir waren zum Glück einem Rundweg gefolgt, der uns unter anderem an den Lower Yosemite Falls und an einem See entlangführte, der mirror lake hieß. Tja, leider war der aufgrund des heißen Sommers ausgetrocknet. Aber so hatten wir zumindest etwas zu lachen.

Und noch etwas Lustiges passierte. Wir hatten ja doch schon das ein oder andere wilde Tier gesehen – Hirsche und … naja, gut, vorwiegend Hirsche. Und während wir so durch den menschenleeren Wald stapften (tatsächlich sahen wir auf den ersten 15 km nur eine Handvoll Menschen), blieb der Mann auf einmal wie angewurzelt stehen. Ich lief weiter, bis er mich stoppte – und dann bemerkte ich es auch. Ungefähr fünf Meter vor uns auf dem Weg standen drei Kojoten (die wir zuerst für Wölfe hielten) und starrten uns ebenso erschrocken an wie wir sie. Ein paar Sekunden lang tat keiner was (na gut, außer mir – ich versuchte mich rückwärts der Situation zu entziehen, was bedeutete, dass ich den Mann als Kanonenfutter stehenließ – nicht meine stolzeste Stunde), dann fing der Mann an in die Hände zu klatschen und zu rufen. Ich machte schließlich mit. Die Kojoten starrten uns weiterhin an und entschieden dann offenbar, dass wir vollkommen durchgeknallte Touristen waren. Sie bogen in den Wald ab, umrundeten uns mit großem Sicherheitsabstand und trotteten dann wieder auf den Weg. Und so zockelten wir allesamt unserer Wege. (Mein Adrenalinspiegel war auf jeden Fall gedeckt.)

Zurück am Auto und nach einer wohlverdienten Stärkung beschlossen wir noch, zum Glacier Point, auf einer ungefähren Höhe von 2200 m zu fahren, um uns nochmals einen guten Überblick über den Nationalpark zu verschaffen. Da das Wetter bestens war, war es wirklich beeindruckend. Vor allem der Anblick von Half Dome hat es mir angetan. Meiner Höhenangst war es zwar alles ein wenig suspekt, aber es verlief ohne größere Zwischenfälle. Außer der Erkenntnis, dass die Plumpsklos dort wirklich widerlich waren. Aber das war etwas, was sich noch oft, oft, oft wiederholen sollte…

Auch diesen Abend ließen wir mit Drinks und einem leckeren Abendessen ausklingen. Nach ein wenig Souvenirshopping (der Koffer war definitiv zu klein!!!) ging es dann schon ins Bett. Und ich muss sagen … ich hab selten so gut und so tief geschlafen. Ach, Yosemite, du hast dich in mein Herz geschlichen.

So.

Hier mache ich einen kleinen Cut und werde die nächsten Tage weiter erzählen. Aber nachdem ich heute Morgen aus meinem Nachtdienstblock rauskam und seit ca. 22 Stunden nicht mehr geschlafen habe, brauch ich erstmal eine Pause. Verzeiht mir also, falls ich Stuss geschrieben habe. Obwohl. Fällt euch eh nicht auf.

So long!

16.10.2017 (Montag) – Big Tree Camp (2800m) to Shira One Camp (3500m)

 

Am nächsten Tag wurden wir um 6 Uhr mit einem netten „Good morning!“ von unseren Guides geweckt. Wir nahmen uns den Luxus heraus noch ein wenig zu snoozen (welch eine Wohltat – immerhin hatten wir Urlaub), doch dann mussten wir uns der grausamen Realität stellen. Also machten wir uns kurz etwas frisch (und hier nochmals ein kleiner Tipp: nehmt Feuchttücher mit. Wenn ihr glaubt, ihr habt genug Feuchttücher dabei, nehmt noch mehr Feuchttücher mit. Dankt mir später.), putzten Zähne und zogen uns an. Unsere Kleidung hatte noch immer diesen leicht frischen Touch – etwas, was nicht mehr allzu lange anhalten sollte. Sorry für den Spoiler.

Danach fingen wir an, unsere Habseligkeiten zusammenzupacken – eine Sache, die schnell zu einem festen Bestandteils unseres Tages werden sollte. Nach ein paar Tagen ging es uns so routinemäßig von der Hand, dass man nicht mal mehr nachdenken musste. Sowas wie Schlafsack mit meinem Handtuch abwischen (ich weiß nicht, ob es an der Wärmflasche oder an der Atemluft lag, aber am Morgen war die Außenseite meines Nylonschlafsackes immer sehr nass), zusammenpressen, in die Hülle stopfen, meine aufblasbare Luftmatratze entlüften, zusammenrollen, in die Hülle stopfen, alles in die Tasche stopfen, etc.

Danach machten wir uns auf zum Frühstück. Es gab viel mehr Auswahl, als jemand von uns gedacht hätte. Natürlich Kaffee – Africafe – und heißes Wasser (woraus Chirurgenwelpe und ich uns Cocatee machten, was angeblich bei der Akklimatisierung helfen sollte), aber auch frische Papaya mit Limette (lecker!), Omelette, Toast und Porridge.

Ach ja, das Porridge. Etwas, an das wir uns selbst jetzt noch mit gemischten Gefühlen zurückerinnern. Es war (und ich bemühe nun wirklich das netteste Vokabular, das mir einfällt) interessant. Also zumindest die Konsistenz war interessant. Und der Geschmack. Aber wir fanden schnell heraus, dass es mit hineingeschaufelter Erdnussbutter tatsächlich sowas wie annehmbar war. Und es gab genügend Energie für den Tag. Vermutlich auch der einzige Grund, weswegen wir es immer wieder aßen.

Während des Frühstück hatten wir die Gelegenheit, unsere wenigen Suaheli-Kenntnisse anzubringen. Vor allem „maji moto tafadhali“ wurde oft und rege benutzt. Der Africafe war übrigens auch so beliebt bei uns, dass die Dose nicht mal den ganzen Trek über hielt. Sorry für diesen weiteren Spoiler.

Schließlich, nachdem alle Teilnehmer und alle Taschen startklar waren, starteten wir unseren Tag. Heute sollten wir zuerst weiterhin durch Regenwald und dann durch Moorland wandern.

Unsere Gruppe begann tatsächlich, so etwas wie Freundschaften zu knüpfen und so wurden auch die Gespräche deutlich interessanter. Zumindest hielten wir uns nicht lange mit Smalltalk auf, sondern diskutierten viel länger, als es eigentlich gesellschaftlich angebracht war, über das Buch (und den Film) „Herr der Ringe“. Vor allem darüber, welcher Charakter der heißeste war und wie viel man uns bieten müsste, damit wir Sex mit Gimli haben würden. (Wir schieben dieses Gespräch immernoch gerne auf die Höhenluft übrigens. Und darauf, dass wir nun mal deutlich mehr Mädels als Jungs in der Gruppe hatten.)

Während der Wanderung legten wir doch viele Pausen ein. Vorwiegend Pinkelpausen. Das lag vor allem daran, dass wir wirklich (entschuldigt den Ausdruck) soffen wie die Löcher. Zum einen war es wirklich anstrengend, zum anderen war eine der besten Prophylaxen gegen Höhenkrankheit ausreichend hydriert zu bleiben. Und das hieß, mindestens 2.5 l pro Tag zu trinken. Und die mussten eben auch irgendwann wieder raus.

Für uns Mädels hatten diese Pinkelpausen noch einen weiteren Vorteil. Wir bondeten (mir fällt gerade keine passende deutsche Übersetzung ein,  tut mir leid) hart miteinander. Wenn man sich mal mit heruntergelassenen Hosen überrascht hat, kann man genauso gut auch gleich befreundet sein. So einfach ist das.

Es war insgesamt eine wirklich wunderschöne Landschaft, jedoch traf uns ein Hagel- bzw. Regenschauer gegen Ende hin doch ziemlich unerwartet. Die Leute mit nur ungenügender Regenkleidung (resultierend daraus, dass noch immer zwei Gepäckstücke fehlten) traf es am härtesten und so war es kein Wunder, dass die Laune bei einigen Teilnehmern ziemlich gegen 0 tendierten. Zum Glück war es möglich, die Stimmung mit dem Soft Kitty Song (bekannt aus „Big Bang Theory) zu retten.

Schließlich und endlich erreichten wir nach ca. 6.5 h Wanderung unser heutiges Ziel: Shira One Camp. Unser Team war schon vor uns angekommen, hatte sämtliche Zelte aufgestellt und uns Popcorn und heiße Schokolade zubereitet. Wir waren allesamt froh, unsere Regenkleidung trocknen lassen zu können und uns mit einem warmen Getränk wieder aufzuwärmen. Und unsere müden Beine dankten uns ebenfalls.

Max wollte erneut wissen, wie wir uns fühlen und auch unser Health Buddy durfte etwas zu unserer Konstitution sagen. Ich fühlte mich immernoch ziemlich gut – keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit und mehr als genug Appetit -, also gab ich mir selbst eine 0 auf der Skala. Es gab jedoch Teilnehmer, die von Kopfschmerzen geplagt wurden und wir litten alle stellvertretend mit ihnen.

Danach hatten wir erstmal zwei Stunden Pause bis zum Abendessen. Chirurgenwelpe und ich machten unser Nachtlager parat. Übrigens auch etwas, in dem wir langsam Routine bekamen und vor allem wussten wir inzwischen, was wir unbedingt in der Nähe brauchten (Toilettenpapier, Stirnlampe, Wasserflasche, Feuchttücher, Desinfektionsmittel). Ich entspannte mich danach mit meinem Kindle und einem wirklich spannenden Buch („Guilty By Reason Of Insanity“ von Dorothy Lewis (das ist ein Link zu Amazon, aber ich verdiene für diesen Tipp tatsächlich nichts)), Chirurgenwelpe schlief erstmal eine Runde. (Auch etwas, was zur Routine werden sollte. Spoiler Nummer 3 oder 4.)

Als ich in der untergehenden Sonne dann mal durchs Lager streifte, erhaschte ich den ersten richtigen unverbauten Blick auf den Gipfel. Und – ich muss es leider gestehen – ich fing spontan an, richtig heftig loszuheulen. Ich wurde von meinen Emotionen so überwältigt, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Ich war wirklich hier – in Tansania, in Afrika, auf dem Weg zum Gipfel des Kilimandscharos! Und dort war er. Einfach so. Bumm! Es war wirklich zu viel für mich. Und meine Tränen gaben doch noch viel Stoff für erheiterte Kommentare. Obwohl ich glaube, dass niemand wirklich völlig ungerührt von diesem Anblick war.

Und es gab noch ein Highlight – zumindest für Tara. Diese hatte ja ihre Zahnbürste im Hotel vergessen, was sie noch immer ziemlich fuchste (verständlicherweise), und keiner von uns konnte ihr aushelfen, weil wir alle nur eine Zahnbürste dabei hatten. Und Zahnbürste teilen kam für niemanden von uns in Frage. Auch Pinkelfreundschaften hatten irgendwo Grenzen. Und so hatte sich Tara damit abgefunden, ihre Zähne während des Treks nur noch mit ihrem Finger putzen zu können.

Aber alles kam anders als gedacht.

Tara lernte eine schwedische Familie kennen, die ebenfalls auf dem Weg zum Gipfel waren. Und diese hatten (Fanfare bitte) eine nicht benötigte Zahnbürste dabei! Diese wurde unser vielen, vielen, vielen Dankbarkeitsbezeugungen überreicht und hinterließ eine sehr, sehr glückliche Tara. Die Schweden hingegen schienen sehr zufrieden damit zu sein, jemanden so fröhlich gemacht zu haben. (Und ich hab diese einmalige Begebenheit auf Video aufnehmen können. Ich bin froh, Zeuge dessen gewesen zu sein. Wenn auch verheult.)

Das Abendessen war mal wieder überragend. Es gab Gemüsesuppe zur Vorspeise, danach Reis mit Gemüse und als Dessert Ananas. Es war sehr lecker, sehr üppig und am Schluss fühlten wir uns alle pappsatt. Und soweit ich das beurteilen konnte, fehlte noch niemanden der Appetit.

Anstatt sofort ins Fresskoma zu fallen diskutierten wir den nächsten Tag. Max hatte uns wieder einen kurzen Überblick darüber gegeben, was uns erwarten würde – und das war tatsächlich nicht ohne. Wir würden ins Shira Two Camp auf 3800 m weiterlaufen, aber mit einem kleinen Umweg über „The Cathedral“ auf 3880m. Dieses „hoch wandern, tief schlafen“ hat sich als weitere Prophylaxe zur Höhenkrankheit gut bewährt und so waren wir alle ziemlich motiviert, diesen kleinen „Umweg“ zu machen. Allerdings waren wir uns nicht sicher, was wir anziehen sollten.

Auch diskutierten wir lang und breit über den summit day (Gipfelaufstiegstag klingt so doof, finde ich). Auf dem Vorbereitungswochenende hatte man uns eingeschärft, die Temperaturen auf dem Kilimandscharo nicht zu unterschätzen. Chirurgenwelpe und ich hatten uns daher ziemlich warme Handschuhe gekauft – doch jetzt zweifelten wir daran, ob wir sie wirklich brauchen würden, denn keiner aus der Gruppe hatte solche dabei. Nun gut, better safe than sorry war ja schon immer unser Motto gewesen. Und we’ll cross this bridge when we come to it.

Danach löste sich unsere traute Gemeinsamkeit ziemlich schnell auf. Wir ließen uns noch maji moto in unsere treuen Nalgene-Flaschen füllen und krochen dann (nach der üblichen Abendroutine wie Feuchttücher benutzen und Zähneputzen) in unsere Schlafsäcke.

Die Nacht war – zumindest für mich – keine allzu gute. Das lag unter anderem daran, dass ich öfter auf Toilette musste (was nicht ohne gehöriges Fluchen vonstatten ging, da man in die Kälte hinaus musste) und dass ringsherum doch ziemlich geschnarcht wurde. Aber irgendwann schien ich doch eingeschlafen zu sein, denn in meinem Tagebuch der Reise steht nur „schlechte Nacht, verwirrende Träume“. Aber die behalte ich lieber für mich…

 

15.10.2017 (Sonntag) – Es geht los!

Der nächste Tag begann (für uns) ausgeschlafen, für den Rest unserer Truppe mit dem Ankommen am Flughafen, dem Schlangestehen für das Visa und der rumpligen Fahrt ins Hotel. Dementsprechend dezent angeschlagen wirkte das Grüppchen, das wir am Frühstückstisch begrüßen durften. Und trotz Müdigkeit und einem (vermutlich) hohen Stresspegels waren alle nett und es wurden die ersten zaghaften Konversationsversuche gestartet. Da erfuhren wir auch, dass bei zweien unseres Teams das Gepäck fehlte – verschollen, irgendwo zwischen Istanbul und Sansibar.

Wow, das war mal eine echte Schockernachricht. Vor allem, weil wir in wenigen Stunden losmachen mussten, um unseren Zeitplan einzuhalten. Auf die Frage hin, ab wann man denn mit dem verlorengegangenen Gepäck rechnen könne, erhielten wir die vage Antwort, dass es beim letzten Trek circa vier Tage gedauert hatte.

Uff. Da waren wir ja schon fast oben auf dem Gipfel.

Aber gut, immerhin war das der Aufhänger für uns, die ersten zarten Bande von Freundschaften knüpfen zu können (oder, wie es genannt wurde, building bridges) – nämlich, in dem wir unsere Ausrüstung mit den beiden armen Personen teilten. Ich selbst trennte mich für die Dauer des Treks von meinem Ersatz-T-Shirt, einem meinem Nackenkissen, meinem Schlafsack-Inlet und einer Trinkflasche. (Da ich meinen Camelbak, eine weitere Trinkflasche und eine Thermoskanne dabei hatte, hatte ich auch nicht das Gefühl, irgendetwas zu vermissen.) Chirurgenwelpe gab, in einem wirklichen Akt der Selbstaufopferung, ihre Regenhose an Zoe, die keine Wechselhose in ihrem Handgepäck dabeihatte. Merkt euch das, das wird später noch wichtig.

Während dem Frühstück konnte Max, unser leader, schon einmal anfangen, die culture of honesty einzuführen, die unseren Trek bestimmen sollte. Soll heißen, dass wir einfach brutal ehrlich waren – im Team, aber auch zu uns selbst. Vor allem, was mögliche Symptome der Höhenkrankheit anging. Und so etablierten wir auch das Konzept des health buddys – in unserem Fall unser Zeltkamerad, der uns immer mal wieder löchern sollte, wie es uns denn ginge.

Wir diskutierten auch die Frage, wann es denn nun eigentlich losgehen sollte, denn die armen heute erst Zugereisten wollten sich noch ein wenig Zeit einräumen, um ein Nickerchen zu machen. Leider war dafür praktisch keine Zeit, denn es war noch einiges zu erledigen. Es musste umgepackt werden, dann mussten unsere duffle bags gewogen werden (ihr erinnert euch an die magische 12-kg-Grenze?), dann würden wir noch unsere Guides kennenlernen und dann wartete noch eine rund dreistündige Fahrt zum Gate auf uns.

Also machten wir uns alle an die Arbeit. Wir gingen nochmals unseren Tagesrucksack durch (hatten wir alles? – Regenhose, Regenjacke, Trinkflasche, etc.), ließen unseren Koffer an der Rezeption zurück und kauften noch jeweils drei Liter Wasser (für je 1 USD) an der Bar, um unsere Vorräte aufzufüllen. Außerdem erhielten wir noch unsere Lunchboxen, ein Ritual, das sich von nun an fast jeden Morgen wiederholen sollte. (Was auch jedes Mal ein stetiger Quell an Erheiterung war, denn so wirklich verstehen konnten die Einheimischen das Konzept „vegan“ nicht. Aber dazu in späteren Einträgen mehr.)

Und trotz der Müdigkeit, die 2/3 der Reisegruppe betraf, lag eine freudige Erwartung in der Luft. Endlich – endlich! – sollte es losgehen! Die nächste gute Nachricht war, dass (fast) alle unter der Limite für die Taschen waren, weswegen ohne Verzögerung aufgeladen werden konnte. Wir wurden schließlich in zwei Minibusse geladen (wieder ohne Sicherheitsgurt, Klimaanlage oder nennenswerten Komfort, aber immerhin fuhren sie) und los ging die Fahrt.

Die dreistündige Fahrt war laut, heiß, sehr holprig und sehr kuschlig, denn nicht nur unsere Gruppe steckte in den Fahrzeugen, sondern auch unsere fünf Guides, die immer wieder versuchten, uns auf interessante Dinge am Wegrand aufmerksam zu machen. (Ich sah zum ersten Mal einen Mini-Sand-Tornado, das war echt cool.)

Nach ungefähr der Hälfte machten wir eine Toilettenpause, auf die ich mich anfangs sehr gefreut hatte. (Das Rumpeln hatte direkte Auswirkungen auf meine Blase.) Nachdem ich die Örtlichkeiten gesehen hatte, überlegte ich jedoch ernsthaft, ob ich es nicht noch zwei Stunden aushalten konnte. Denn die „Toilette“ bestand aus einem Loch im Boden. Und sonst nichts. Der Geruch war ekelerregend (sorry, aber es war so) und der Boden klebte vor Urin. Ich glaube, ich habe noch nie im Leben so lange die Luft angehalten. Und die danach feierlich von allen geteilte Händedesinfektion war ein absolutes Muss.

Bäh.

Allerdings muss ich zur Ehrenrettung sagen, dass ich ansonsten eigentlich nur gute Toilettenerlebnisse auf der Reise hatte. Eine einzige Toilette toppte dieses Erlebnis aber noch. Aber dazu werde ich in einem späteren Eintrag (dem zum Barranco Camp) mehr erzählen. Ihr könnt es sicherlich kaum erwarten!

Will und Heather gönnten sich noch jeweils eine Flasche Stoney Tangawizi, einem stark ingwerhaltigen Erfrischungsgetränk, das in Tansania offenbar sehr beliebt ist. Ich lehnte es ab, nach dieser Toilette wollte ich meinem Magen nicht noch mehr Dinge zumuten.

Nach weiteren eineinhalb Stunden Fahrt erreichten wir unseren ersten Stopp, das Londorossi-Gate. Dort lernten wir unser restliches Team kennen – insgesamt stärkte uns ein fast 40köpfiges Team den Rücken. Es gab jede Menge Porter, Köche, Köche für das einheimische Team, Guides und sogar einen Zuständigen für unser Toilettenzelt. (Ja, ihr habt richtig gehört – wir hatten ein Toilettenzelt. Und solltet ihr auf diesem Blog gelandet sein, weil ihr den Kilimandscharo noch vor euch habt, dann lasst euch gesagt sein, dass ein Toilettenzelt die beste Investition ist. Wirklich. Holt euch ein Toilettenzelt.)

Während wir anfingen unseren Lunch zu verspeisen wurde die gesamte Ausrüstung noch einmal gewogen (mit den offiziellen Waagen des Parks) und dann wieder verstaut. Dann durften wir noch einmal die Toiletteneinrichtungen benutzen (eine gewisse Person konnte jedoch nicht, weil vor dem scheibenlosen Fenster der Toilette die Porter standen 🙂 ) und es gab ein letztes Briefing – für den gesamten Trek, aber auch insbesondere, was uns heute bevorstand. Und das klang eigentlich ganz entspannt.

Wir hatten nochmals eine ca. einstündige Fahrt vor uns, dann würden wir ca. 3 Stunden durch den Regenwald marschieren bis zum ersten Camp. Und dann gäbe es Abendessen und dann eine Mütze Schlaf. Dies wurde vom Großteil unserer Gruppe wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Wir sammelten uns noch für ein Gruppenfoto vor dem Londorossi-Gate-Schild und dann ging es auch schon wieder zurück ins Auto. Die restliche Fahrt verging wie im Flug und schon standen wir mitten im Regenwald. Die dort aufgestellten Toiletten wurden nochmals rege genutzt, die Wanderstöcke (bis jetzt müßig am Rucksack hängend) wurden eingestellt (und wir bemerkten, dass Max eine Vorliebe für ziemlich kurz eingestellte Wanderstöcke hatte 🙂 ) und die Rucksäcke geschultert.

Und dann … ja, dann ging es los. Und wir prägten einen Satz, den wir bis zum Ende des Treks sehr, sehr oft wiederholen würden: „It’s really happening!“

Nach fast 8 Monaten Planung ging es wirklich los. Wir waren hier – am Fuße des Kilimandscharos, mitten in Tanzania, in Afrika! Eine Vorstellung, die ich bis jetzt noch immer nicht so ganz verarbeitet habe.

Wir plauderten unseren Weg durch den dichtbewachsenen Regenwald – nicht nur mit den anderen Teamkameraden, sondern auch mit den Guides. Und wir bemerkten schnell, dass wir echte Experten an unserer Seite hatten. Das Tempo, das sie anschlugen, wirkte am Anfang fast schon lächerlich langsam – aber es dauerte nicht lange, bis wir bemerkten, dass es so genau richtig war. Auch die (zum Teil recht steilen) Anstiege waren so gar kein Problem … auch, wenn ich vermutlich nicht die Einzige war, die ab und an ins Schnaufen kam.

Wir lernten zudem noch ein wenig Swahili – nicht viel, aber genug, um ein rudimentäres Gespräch in Gang zu bekommen.

Hier ein paar Kostproben:

  • ahsante sana! – Thank you very much!
  • tafadhali – Please
  • jambo – Hello (und das hörte man wirklich ständig, sobald man von portern überholt wurde 🙂 )
  • maji moto – hot water (ich bin mir nicht sicher, ob es so geschrieben wird, nach einer kurzen Google-Suche könnte es aber so sein)
  • hakuna matata – no worries (ein anderer Satz, den man wirklich oft zu hören bekam)

Wir bekamen auf unserer dreistündigen Wanderung tatsächlich auch die ein oder andere Fauna zu sehen, unter anderem Affen (die eher wie fette Katzen aussahen). Aber ansonsten hielt sich das Wildleben eher bedeckt. Und das, obwohl man auf jedem Bericht über die Lemosho-Route lesen kann, dass die Chancen gut stehen auf Elefanten oder Büffel zu treffen. Schade!

Was wir aber mehr als genug zu sehen bekamen war Regen und so konnten diejenigen von uns, die einen Regenschutz hatten, diesen zum ersten Mal testen. Und hier kochte auch der erste Neid auf Wills großartige Regenjacke auf. Leider hab ich die Marke schon wieder vergessen… aber er war praktisch der Einzige, der wirklich knochentrocken blieb.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir dann unser erstes Camp, das sogenannte Big Tree Camp (oder auch Mti Kumbwa Camp) auf 2780 m. Wir hatten zehn Minuten, um uns in unseren Zelten häuslich einzurichten – eine Prozedur, die sich von nun an an jedem Abend wiederholen sollte. Im Endeffekt hieß dies erstmal checken, ob die vom Veranstalter bereitgestellten Matten trocken waren (oft waren diese zumindest stellenweise doch recht feucht dank Regen), dann die selbstmitgebrachte Isomatte ausrollen oder aufpumpen, den Schlafsack ausrollen, umziehen (Regenhose und -jacke aus, evtl. ein paar Lagen Kleidung an- oder abziehen und in bequemere Schuhe schlüpfen – Chirurgenwelpe und ich hatten uns extra Crocs mitgebracht, eine Überlegung, die uns unsere leidgeplagten Füße doch sehr dankten), die Taschen verstauen, den Kulturbeutel aufhängen … alles so Kleinigkeiten, um sich im Zelt etwas heimischer zu fühlen.

Nachdem dies erledigt war (und wir unsere nassen Regenjacken im mess tent aufgehängt hatten) trafen wir uns zu einer geselligen Runde Popcorn, Tee und Africafe (bester Wortwitz aller Zeiten). Und es war wirklich unglaublich, wie fix unser Team war – jedes Mal standen sämtliche Zelte, wenn wir in die Camps kamen, heißes Wasser war parat und Popcorn wartete auch jedes Mal. Ahsante sana!!

Kaum hatten wir die letzten Krümelchen Popcorn verspeist (yummy!), gab es schließlich auch schon Abendessen. Zur Vorspeise gab es cucumber soup, zum Hauptgang Spaghetti und als Nachtisch Bananen. Wenig später wären alle satt, zufrieden und müde. Wir hingen noch ein wenig zusammen herum, plauderten und checkten unsere gesundheitliche Lage.

Eigentlich ging es allen gut, außer Zoe, die ein wenig Kopfschmerzen hatte. Chirurgenwelpe fror dezent, wollte aber nicht aufstehen, um sich noch eine Jacke zu holen. Woraufhin Max uns eine kleine, aber nett gemeinte Standpauke hielt, dass das Einzige, was er auf dem Trek nicht hören mag, die Worte „I can’t be bothered“ waren. (Spoiler: Er benutzte es trotzdem auch  manchmal! 😉 ) Woraufhin sich Chirurgenwelpe ihre Jacke holte. Danke Papa Max! 🙂

Für einen Tipp vom Vorbereitungswochenende in Sheffiel bin ich bis heute noch dankbar. Und der hieß: Füllt euch am Abend heißes Wasser in eure Nalgeneflaschen, dann könnt ihr die a) in der Nacht als Wärmflasche verwenden und b) am nächsten Tag gleich kühles Wasser trinken. So machten wir das jeden Abend und es rettete meine Füße und meinen Schlaf.

Es dauerte nicht allzulange, bis wir unser Bett rufen hörten und so machten wir uns an die abendliche zu-Bett-geh-Zeremonie. Im Endeffekt bestand die aus einem geselligen Zähneputzen (es gab nicht so viele Orte, an denen dies möglich war und so traf man sich unweigerlich), einer kurzen „Dusche“ mit Feuchttüchern im Zelt, einem prophylaktischen Gang zum Toilettenzelt (wenn man 4 – 5 l Flüssigkeit am Tag trank war dies auch nicht sonderlich verwunderlich) und dann dem einkuscheln im Schlafsack.

Beim Zähneputzen bemerkte Tara jedoch, dass sie offenbar ihre Zahnbürste im Hotel zurückgelassen hatte. Ein wenig Panik machte sich breit, doch das Brainstorming, wie man dies lösen konnte, verschoben wir auf den nächsten Tag. Musste solange eben ein Finger und etwas Zahnpasta reichen.

Der erste Abend im Schlafsack und im Zelt war ungewohnt. Es war laut im Camp (und das, obwohl nur 3 oder 4 andere Gruppen da waren), es war ungewohnt und irgendwie hatte ich auch ein wenig Angst, dass der Affe (der im Big Tree Camp hausen sollte) meine Schuhe klaute. Was er nicht tat. Aber trotzdem.

Irgendwann schlief ich dann doch ein. Chirurgenwelpe neben mir kannte solche Probleme offenbar nicht – die war nämlich schon nach wenigen Minuten weggeratzt.

 

14.10.2017 (Samstag) – offizieller Tag 1

Ich habe auf dem Kilimandscharotrek eifrig Tagebuch geschrieben, um jedes Erlebnis (und sei es noch so banal) aufzuschreiben, solange es noch frisch im Gedächtnis haftet. Dies hat eigentlich auch gut funktioniert – bis kurz vor dem Gipfeltag. Da war mein Kopf so vollgestopft mit anderen Dingen (Spoiler: vor allem Essen), dass ich dies verdrängt habe.

Tatsächlich habe ich aber auch schon vor dem eigentlichen Trek Tagebuch geschrieben. Und da stehen solche lustigen Anekdoten wie:

29.09.2017 – Freitag:

Ich erhielt heute eine lächerlich große Daunenjacke (Größe L!). Konnte sie aber große Probleme umtauschen – und musste nicht einmal extra Porto zahlen.

Was bin ich froh, dass ich dieses einzigartige Erlebnis festgehalten habe. Wäre ja schade, wenn die Nachwelt nichts davon lesen könnte.

So, jetzt aber zurück zum 14.10.2017, dem ersten offiziellen Tag des Treks. Wir ließen ihn gemütlich anklingen und schliefen erst einmal aus. Für uns Schichtdienstler eine Wohltat, die man viel zu selten tun darf. Und deswegen der perfekte Start in den Tag. Nach einer Dusche (die diesen Namen eigentlich gar nicht wirklich verdiente – der Strahl aus der Duschbrause spottete jeder Beschreibung) trafen wir uns mit Tara zum Frühstück, das es in Büfettform gab.

Und es fehlte eigentlich an gar nichts. Es gab Tee, Kaffee und Saft (Orange und ein Saft namens Paw-Paw-Juice, von dem ich bis jetzt annahm, dass es sich um Papajasaft handelte – Wikipedia belehrt mich gerade aber eines Besseren), Toastbrot, Marmelade, Honig und auch warme Speisen wie Eierspeisen (frisch zubereitet), Kartoffelspalten und gebackene Bohnen. Auf Wunsch erhielt man auch Würstchen. Man merkt, dass das Publikum hier vorwiegend englisch war…

Nach einem ausgiebigen Frühstück nutzten wir den Tag, um das Hotelgrundstück zu erkunden. Ich war vor allem neugierig auf den Pool, der auf der Website ziemlich groß angepriesen wird. Das Ergebnis war eher ernüchternd. Anstatt dem azurblauen Wasser fanden wir eher einen grünlichen Tümpel vor, der die besten Zeiten schon hinter sich hatte. Es fiel uns dementsprechend leicht dem Badespaß zu entsagen (was uns auf dem Vorbereitungswochenende sowieso ans Herz gelegt wurde, allerdings wegen der Befürchtung, dass man versehentlich Wasser schlucken und daher krank werden könnte). Wir versuchten zudem einen Blick auf den Kilimandscharo zu erhaschen – aber es war so bewölkt, dass wir nur einen winzigen Teil des Berges sehen konnten. Immerhin, er war da!

Wir checkten bei der Rezeption noch die Preise für Massagen – unser Plan war es, uns nach erfolgreicher Besteigung der Kaiser-Wilhelm-Spitze 😉 damit zu feiern, indem wir uns massieren ließen. Die Preise ließen uns jedoch kurz stutzen – eine Ganzkörpermassage für eine Stunde kostete satte 45 USD. Ein stolzer Preis in einem Land, in dem der Jahresverdienst zwischen 300 – 400 USD lag.

Im gleichen Zug wechselten wir noch ein paar unserer mitgebrachten Dollar in Tansania-Schilling. Wie wir schnell merkten änderte sich der Wechselkurs je nachdem, welcher Mitarbeiter vor uns stand. Manche wechselten 1 USD in 2000 TZS, manche in 2400 TZS und manche in 2500 TZS. Und es war wirklich schwierig, da nicht das Gefühl zu bekommen, dass man abgezockt wurde. Aber man gewöhnte sich daran.

Tara hatte zwischenzeitlich noch das Problem, dass ihre Klimaanlage defekt war, weswegen in ihrem Zimmer schwüles Saunaklima herrschte. Ihre eigenen Bemühungen, das Ganze zu reparieren schlugen fehl, weswegen die Rezeption sich der Sache annahm. Es waren mehrere Menschen beteiligt und es gingen einige Stunden ins Land, aber am Schluss funktionierte es doch wieder. Trotzdem zog sie schließlich mit ihrer Matratze zu uns ins Zimmer (eine tote Kakerlake mit einem Ameisenfestessen bei ihr im Bad war der andere Auslöser), woraufhin bei uns ein wenig Schullagerstimmung aufkam. Wir quatschten und dösten und verbrachten einen insgesamt sehr entspannten Tag. Auch wenn wir gefühlte zwei Stunden damit verbrachten, unsere Taschen für den morgigen Tag zu packen, umzupacken und nochmals alles durchzuchecken.

Denn morgen – morgen! – war es endlich soweit. Das große Kilimandscharoabenteuer sollte beginnen!

Der Plan war, dass der Rest der Truppe – insgesamt sollten wir 10 Leute plus 1 Guide sein – am Abend eintreffen, woraufhin wir uns bei einem gemeinsamen Abendessen und Briefing kennenlernen sollten. Am nächsten Morgen sollte es nach dem Frühstück losgehen.

Soweit die Theorie.

Die Praxis sah leider ganz anders aus.

Jenny (die wir ebenfalls auf dem Vorbereitungswochenende kennengelernt hatten und die mit den anderen aus London kam) informierte uns, dass ihr Flug nach Amsterdam Verspätung hatte – und zwar so massiv, dass sie ihren Anschlussflug nicht erwischt hatten. Nach einigem Hin und Her durften sie am Abend mit einer anderen Maschine fliegen, allerdings über Istanbul und Sansibar. Eintreffen würden sie somit erst am nächsten Morgen. Viel Schlaf vor dem Start des Treks (und der ersten Wanderung) war da nicht zu erwarten.

Unser Mitleid war grenzenlos und wir litten via WhatsApp mit. Und wir mochten uns gar nicht vorstellen, was so eine Verspätung mit der Laune unserer Mitstreiter anstellen würde…

Ich versuchte unterdessen noch, mir eine tansanische Simkarte zu ergattern, damit ich auf dem Berg Internetempfang haben würde. (Jaja, macht nur eure Scherze, aber ab und an ein Lebenszeichen schicken zu können sollte nicht unterbewertet zu werden!) Der nette Herr im Hotel konnte mir für 15 USD auch eine Sim-Karte verkaufen – nur funktionierte sie leider nicht. Er versprach sie bis zum morgigen Tag zum laufen zu bringen. Hakuna Matata!

Nach dem Abendessen (das Curry war eines der leckersten, die ich bis jetzt gegessen habe, allerdings spielte die Zwiebelsuppe eher in der unteren Liga) spielten wir bei einem Kilimanjaro Lager Beer noch ein paar Partien Uno (das ich extra am Flughafen gekauft hatte)  und dann lernten wir doch noch zwei Mitglieder unseres Treks kennen: Helen und Max (der auch gleichzeitig unser Guide war). Die beiden waren aus Schottland angereist und waren daher von der Verspätung nicht betroffen.

Wir verbrachten einen lustigen und interessanten Abend und beschnupperten uns schon einmal. Das Ganze bei einem Teller Pommes. (Pommes spielten bei unserem Abenteuer in Afrika eine bedeutende Rolle. Soviel kann ich jetzt schon mal verraten.) Allerdings dauerte unser Beisammensein nicht allzu lange – wir waren einfach alle müde (die anderen beiden berechtigt, wir eher, weil wir den ganzen Tag nicht in die Puschen gekommen waren).

Und somit lagen wir wenig später alle in unseren Betten (bzw. Tara lag auf ihrer Matratze bei uns im Zimmer auf dem Boden) und ich glaube, ich war nicht die Einzige, die vor Nervosität Probleme beim Einschlummern hatte…

13.10.2017 (Freitag) – Auf gehts nach Tansania!

Der Auftakt zu unserem Kilimandscharo-Abenteuer bestand vorwiegend aus (na, wer errät es?) packen. Wir hatten ein paar Tage zuvor eine E-Mail mit den letzten, lebenswichtigen Details von unserem Anbieter Jagged Globe erhalten – und in der stand auch, dass unser schöner mitternachtsblauer duffel bag (unsere Reisetasche) mit dem Jagged Globe Logo auf dem Trek nicht schwerer sein dürfte als 12 kg. Das hat mit den Regulationen des Gewichts zu tun, die jeder porter tragen dürfte.

Also beschlossen wir, dass ich noch einen zusätzlichen Koffer mitnehmen würde, in dem wir die Dinge, die wir auf dem Berg nicht brauchen würden, verstauen und dann im Hotel lassen würden. Das führte allerdings auch dazu, dass ich ein wenig nachlässig wurde beim Gedanken „Was brauche ich WIRKLICH?“, denn im Koffer war mehr als genug Platz. Aber gut, wie ich jetzt weiß, brauchte ich beinahe alles, was ich mitgenommen hatte. (Sorry für den Spoiler 🙂 )

Am Vorabend unseres Abenteuers, dem 12.10.2017, lag ich gegen 20 Uhr im Bett, nach einem entspannenden Vollbad und vollgepumpt mit Wick MediNait, denn meine laufende Nase und mein kratzender Hals kündigte eine Erkältung an. Trotz erheblicher Nervosität (AAAAAH!) schlief ich schnell ein – und wurde kurz vor 2 Uhr nachts unsanft wieder aus verwirrenden Träumen gerissen.

Nach dem Zusammensammeln der letzten Kleinigkeiten, dem drölfzigsten Mal überprüfen, ob der Reisepass tatsächlich noch da war und einer Dusche (an die ich in den folgenden Tagen noch oft mit Wehmut zurückdenken würde) sammelten wir schließlich Chirurgenwelpe (noch immer ein Pseudonym) ein. Diese versank für die folgenden 2 Stunden Fahrt in ein Schlafkoma (da sie vorher viel gearbeitet und sich eventuell 2 kg Pasta zum Frühstück einverleibt hat, sei ihr dies verziehen 🙂 ).

Die Fahrt zum Flughafen Zürich verlief ansonsten ereignislos. Bis auf die Tatsache, dass bei SWR3 auf einmal unverhofft „Africa“ von Toto gespielt wurde. Und wer unsere Twitteraccounts auch nur ein wenig verfolgt hat, weiß, dass dies unsere unangefochtene Hymne für den Kilimandscharo war.

Am Flughafen wurden wir abgesetzt und die erste Hürde – das Ergattern eines Gepäckwagens – meisterten wir mit Bravour. An dieser Stelle nochmals ein großes DANKESCHÖN an meinen Bruder Stefan, der uns zum Flughafen gebracht (und am Schluss auch wieder abgeholt) hat. Das hat unsere Reise ein kleines bisschen einfacher gemacht!

Und dann stockte unsere Reise erst einmal ein wenig – der CheckIn für unseren Flug hatte noch nicht begonnen. Also saßen wir herum, spielten ein wenig mit meiner vorher gemieteten GoPro herum, versuchten ein wenig zu lesen und nicht einzuschlafen … was man eben so tut.

Als wir dann endlich einchecken durften, erwischten wir eine furchtbar nette KLM-Mitarbeiterin, die – nachdem sie unser Onlineticket beäugt hatte – aufgeregt nachfragte, ob wir denn auch AUF den Kilimandscharo steigen würden. Als wir dies bejahten, konnte sie es zuerst kaum fassen (wer konnte ihr das verübeln?), wünschte uns dann aber viel Erfolg. Tja, danke, das konnten wir gebrauchen!

Der Sicherheitscheck verlief ohne größere Vorkommnisse und dann war es erst einmal Zeit fürs Frühstück. Für uns belief sich das auf den wohl teuersten Kaffee unseres Lebens an einer Bar – der dafür aber auch wirklich gut war. Ich kaufte schließlich noch einen lila glitzernden Karabiner (ja, den brauchte ich unbedingt!) bei Mammut. Und dann durften wir endlich ins Flugzeug.

Der Flug nach Amsterdam war unspektakulär – aber es gab sogar Getränke und einen Snack. (Man ist sowas ja gar nicht mehr gewohnt, wenn man die ganze Zeit nur mit Billig Airlines fliegt…) Das Käsesandwich mussten wir beide zwar ablehnen (ich mag keinen Scheibenkäse, Chirurgenwelpe ist Veganerin), aber die Geste war trotzdem nett. Außerdem bekamen wir Kekse.

In Amsterdam mussten wir dann unseren Anschlussflug zum Kilimanjaro Airport erwischen. Erst mussten wir durch die wohl längste Passkontrolle der Welt (also, die Schlange war lang – die Kontrolle an und für sich war dank E-Passport fix) und dann war wir noch ein wenig verwirrt, weil wir nicht wussten, ob wir nochmals durch die Sicherheitskontrolle müssten.

Schließlich war aber alles vollbracht und wir konnten unser Gate suchen gehen. (Und da brauchten wir auch etwas Zeit, der Amsterdamer Flughafen ist echt groß!) Ich besuchte dann erstmal die sanitären Einrichtungen – und auch dort war die Warteschlange lang. Bei nur 2 funktionierenden Toiletten auch kein Wunder. Aber gut.

Zurück beim Gate konnten wir endlich Tara begrüßen, die mit uns zusammen auf den Kilimandscharo steigen sollte und die wir schon auf dem Vorbereitungswochenende kennengelernt hatten. Genau wie wir (aber völlig unabhängig von uns) hatte sie ihre Flüge selbst gebucht und beschlossen, schon vor den anderen an- und auch nach den anderen abzureisen. Und so hatten wir zufällig entdeckt, dass wir zusammen fliegen würden. Die Freude war auf beiden Seiten riesig!! 🙂

Tara war aber nicht alleine angereist – mit ihr zusammen kam ihr fünf-Kilo-Beutel mit heimischen Snacks, die sie für den Kilimandscharo besorgt hatte. Wir hatten Spaß damit (und wir sollten nicht die Einzigen bleiben…).

Chirurgenwelpe und ich deckten uns schließlich auch noch mit Essen und Getränken ein – und dafür hatten wir genug Zeit, denn unser Anschlussflug hatte Verspätung. Der Grund war „a bad smell in the back of the airplane“ – und am Schluss wollte es bestimmt wieder keiner gewesen sein…

Der anschließende Flug (offenbar konnte der Grund für den schlechten Geruch gefunden und eliminiert werden) war ebenfalls unaufregend – eat, sleep, watch movies, repeat oder so. Ich schaute mir auf Anraten einer bestimmten Person „Wonderwoman“ an und ja, der Film ist wirklich großartig. Zehn Daumen hoch, absolute Empfehlung zum Ansehen.

Kurz vor der Landung mussten wir noch ein immigration paper ausfüllen, in dem wir unsere persönlichen Daten, unseren Beruf, unseren Einreisegrund, unsere Passnummer, unsere Flugnummer, unsere Kontaktadresse und noch viele andere Dinge eintragen mussten. Das sorgte für die ein oder andere Stirnfalte – aber zumindest wurde es so nicht langweilig.

Gegen 20 Uhr landeten wir schließlich in Tansania. Die Luft war warm (viel zu warm für unsere Körper und unsere Kleidungsschichten, die noch auf das Herbstwetter in Deutschland ausgerichtet waren) und der traurige Propeller an der Decke schaffte nur minimale Abkühlung.

Da wir noch kein Visum hatten, reihten wir uns in die rechte Schlange ein, während Tara, die ihr Visum schon in England beantragt hatte, sich in die linke Schlange drängte. Es dauerte eine gute Stunde, bis wir uns bis zum Schalter vorgedrängt hatten – das abgezählte Geld (50 USD) und den Pass  hielten wir natürlich schon parat. Die Angestellten hinter der Glasscheibe arbeiteten unser Anliegen ziemlich gelangweilt ab – ich wurde sogar gefragt, ob ich die 50 USD denn eigentlich schon gezahlt hätte. Und das, obwohl die Dame meinen Geldschein fünf Sekunden vorher erst in die große Pappschachtel geworfen hatte.

Danach durften wir uns nochmals anstellen – und zwar in die Schlange, in der Tara schon 45 min gewartet hatte. Dort mussten wir nochmals unseren Pass und das immigration paper abgeben, dann wurden unsere Fingerabdrücke genommen („Right hand four fingers – thumb – left hand – four fingers – thumb…“ konnte ich danach schon im Schlaf aufsagen.) und dann durften wir endlich unser Gepäck abholen.

Es ging nochmals durch eine Röntgenkontrolle mit unserem Gepäck – und dann ging es endlich nach draußen. Unser Fahrer hielt ein Schild für uns hoch und wir waren wirklich extrem froh, ihn zu sehen. Nur noch eine Fahrt ins Hotel stand zwischen uns und einer erfrischenden Dusche.

Dachten wir zumindest.

Haha.

Auf unserem Weg zum Auto wurde uns der Gepäckwagen einfach von ein paar jungen Männern aus der Hand gerissen. Wir, naiv wie wir waren, dachten natürlich, dass dies Leute vom Hotel wären, die mitgekommen wären um uns zur Hand zu gehen.

Falsch gedacht.

Nachdem die Männer das Gepäck in den Wagen verstaut hatten, zischte uns der Fahrer „Tip! Tip!“ zu. Da verstanden wir, dass wir uns gerade zum ersten Mal hatten abzocken lassen. Als wir fragten, wie viel Trinkgeld wir geben sollten, antwortete einer der Männer dreist mit „Twenty Dollars!“. Wir gaben ihnen die drei Dollar, die sich noch in unseren Hosentaschen befunden hatten, und machten, dass wir einstiegen.

Natürlich gab es keine Sicherheitsgurte, aber wir waren so verstört und müde, dass es uns eigentlich schon gar nichts mehr ausmachte.

Die Fahrt zu unserem Hotel dauerte ungefähr eine Stunde und führte über rumpelige Pisten (nicht zu rumplig, da wir selten mehr als 40 km/h fuhren) und an schwer bewaffneten Militärposten vorbei. Ich glaube, da bemerkten wir alle zum ersten Mal, dass wir ziemlich weit weg von zuhause waren. Und ich glaube nicht nur ich war ein wenig verstört.

Wir waren im Keys Lodge Hotel untergebracht, einem 3-Sterne-Hotel, ca. 2.5 km entfernt vom Stadtzentrum von Moshi. Eigentlich waren wir in einem zentraleren Keys Hotel untergebracht, aber aufgrund von Elektrizitätsproblemen waren wir umgebucht worden. Das Gelände wirkte auf den ersten Blick sehr nett, die Angestellten waren freundlich und das Hotel wurde von Sicherheitspersonal überwacht. Alles sehr beruhigend.

Wir checkten ein und wurden im „Kilimanjaro House“ untergebracht, einem Gebäude, in dem alle Zimmer nach besonderen Punkten auf dem Kilimandscharo benannt waren. So durften wir im Gillmans Point residieren – was eigentlich ganz lustig ist, wenn man bedenkt, dass wir den Gillmans Point auf unserer Reise niemals zu Gesicht bekamen. (Der Gillmans Point ist – ähnlich wie Stella Point – ein Punkt nahe am Gipfel, hier bei 5,681 m, von dem aus man die letzte Gipfeletappe beginnt. Auf der Lemoshoroute, die wir nahmen, kommt man allerdings dort nicht vorbei.)

Wir bezogen unsere Zimmer – und durften gleich den ersten der „big five“ von unserer Liste abstreichen. Zumindest kam uns das so vor, denn eine fette Kakerlake wartete bereits auf uns. Ihr fehlte offensichtlich ein Bein, weswegen sie etwas beschränkt durch die Gegend hüpfte und außerdem nicht so schnell war wie andere ihrer Art. Wir waren absolut angeekelt – und bezahlten schließlich dem Hotelangestellten 1 USD dafür, dass er die Kakerlake aus unserem Zimmer beförderte.

(Lustige Anekdote am Rande. Ich erzählte diese Geschichte etwas später via WhatsApp in einem Gruppenchat. Wörtlich schrieb ich „Wir haben 1 USD Trinkgeld gegeben, weil uns ein Angestellter eine fette gehbehinderte Kakerlake aus dem Zimmer geräumt hat.“ was mit einem „Wie redest du denn über die Chirurgenwelpe?“ quittiert wurde. Ich habe tatsächlich viel zu hart darüber gelacht. Chirurgenwelpe aber auch. :-* )

Danach gab es für uns endlich Abendessen. Wir gönnten uns Bier (Kilimanjaro Lager Beer!) und Pommes und bedienten uns reichlich am Wifi, das es in diesem Hotel nur an der Rezeption gab … Hakuna Matata und so.

Und danach – endlich, endlich schlafen!

 

Es ist soweit!

Und nun ist es schon 8 Monate her, seit wir die Buchung für den Kilimandscharo getätigt haben. Die letzten Wochen waren wir ziemlich beschäftigt – es ist unglaublich, an wie viele Dinge man denken muss!

Und nun ist es fast soweit – die Taschen sind gepackt. Wir sind für den Flug eingecheckt. Jetzt stehen nur noch ein paar Stündchen Schlaf (im besten Fall), eine Dusche und eine Fahrt zum Flughafen zwischen uns und unserem Abflug.

Und was kann man dazu sonst noch sagen?

Achja, klar!

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!!!

Nein, Spaß. Ich freue mich sehr darüber, dass es nun endlich – endlich! – losgeht. Und auch, wenn mein Körper gerade noch versucht mich mit einer leichten Erkältung auszuknocken … ich lasse mich nicht unterkriegen. (Mein Optimismus hilft. Und Wick Medinait.)

Ich versuche so viel zu bloggen wie möglich. Live und in Farbe sozusagen. Aber ich kann noch nichts versprechen 🙂

Bis bald! Drückt uns die Daumen!